Garfield will es wirklich wissen

Gestern klingelt es mitten in der Nacht an meiner Tür. Ich wage nicht zu öffnen, sehe zuerst durch den Spion, und wer steht da?

Figur2

Garfield! Ich kenne Garfield, also öffne ich. Garfield bittet mich, ihn fürs Nächste zu beherbergen, er sei endlich aus seinem Film geflohen. Er habe es satt, sich fürs Publikum zum Idioten zu machen. Hm, ist das ein Fall von Asyl, frage ich mich noch? Und schon schlüpft er in meine Wohnung. Jetzt lebe ich vorübergehend, hoffentlich nur vorübergehend, mit Garfield zusammen. Beim Frühstück diskutieren wir über Politik. Ich bin überrascht, dass Garfield sich für Europa interessiert. Wir geraten sogar in eine hitzige Debatte. Garfield: „Wie kommen die Deutschen eigentlich auf die Idee über eine Million Syrer zu Deutschen machen zu wollen? Das wollen die Syrer doch gar nicht. Die wollen doch irgendwann wieder in ihr Land zurück. Die finden es hier im Norden doch beschissen anders, jedenfalls beschissen kalt.“ Ich versuche Garfield zu erklären: „In Syrien muss zuerst eine politische Lösung gefunden werden…“ Garfield lässt mich gar nicht ausreden. „Und überhaupt all die Leute einzuladen, wenn man sie gar nicht unterbringen kann. Ich lad doch auch niemanden zu mir zum Übernachten ein und sag dann, ihr müsst leider draussen im Zelt schlafen.“ „Garfield“, versuche ich ihn zu beruhigen, „das ist eine Notsituation, da klappt nicht alles, wie man es gern hätte.“ Garfield lässt sich nicht beruhigen: „Und jetzt, wo sie gemerkt haben, dass sie keinen Platz mehr haben, sollen die Frauen und Kinder „zuhause“ bleiben? Die Männer sind jetzt zuhauf in Europa, aus dem Bürgerkrieg fort, und die Frauen und Kinder, die sollen dann im Bürgerkrieg bleiben oder in diesen Camps an den syrischen Grenzen, wo sie nicht mehr genug zu essen bekommen?! Sonst heisst’s doch immer Frauen und Kinder zuerst!“ Hrmpf, ich schlucke. Mir gehen langsam die Worte aus, während Garfield einfach weiter redet… „Warum hat niemand die Camps dort beizeiten mit Nahrungsmitteln aufgestockt, das wäre das Mindeste und Klügste gewesen!? Alles ein verdammtes Durcheinander. Ein Kater hätte das besser gemacht…“

 

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