Der Vuitton unter den Kryptowährungen

„Ich glaube an Kryptowährungen, solange sie nachgefragt und nicht verboten werden.“ „Du meinst, du glaubst an so etwas wie den Bitcoin, Garfield?“ „Ein Bitcoin ist ein Produkt wie jedes andere. Ich würde sogar sagen, er ist so etwas wie Gold.“ „Aber der Bitcoin ist doch sozusagen aus dem Nichts geschaffen worden, Rechner schaffen den Bitcoin. Da steckt doch keine Substanz dahinter.“ „Spielt das eine Rolle, Olivia? Eine Menge Produkte, die wir kaufen, sind sozusagen auch aus dem Nichts geschaffen, haben den Produzenten fast nichts gekostet und sind nur etwas wert, weil der Konsument dafür etwas auszugeben gewillt ist. Ist hinter einer Dienstleistung Substanz? Da krault mir jemand den Rücken und ich zahle für die Massage 100 Euro. Oder ich kaufe eine Plastiktasche, und nur weil sie Louis Vuitton heißt, zahle ich 7000 Euro für sie. Und nicht zu vergessen, der Bitcoin ist ja nicht nur ein beliebiges Produkt, er ist auch eine Währung, ein Zahlungsmittel: Ist hinter einem 100 Euro Schein noch Substanz? Es gibt den Goldstandard nicht mehr. Der Schein ist aus wertlosem Papier …“ „Hm, da fällt mir Stiglitz ein. Er meinte, der Bitcoin müsse weg, da er keinerlei soziale Funktion erfülle.“ „Dann müssten auch Vuitton-Handtaschen weg … Oder Schokolade. Milliarden werden für Schokolade ausgegeben, und das Zeugs ist nur ungesund und macht fett.“ Garfield kratzt sich den Schnurrbart: „Unser ganzes Wirtschaftssystem beruht darauf, dass Scheiß, den wir nicht brauchen, an den Konsumenten gebracht wird. Und so funktionslos ist Schokolade dann auch nicht, sie schmeckt gut und befriedigt mich zwei Sekunden lang. Der Bitcoin hat da noch mehr Funktion. Solange, wie gesagt, die Nachfrage stimmt und er nicht verboten wird, bereichert er mich wie Gold. Ist eine Art Wertaufbewahrungsmittel, nicht nur ein Zahlungsmittel.“ „Ist das nicht übertrieben?“ „Wieso? Vom Bitcoin gibt es nur eine bestimmte Menge. Ich hörte mal die Zahl 21 Millionen.  Gold ist soviel wert, weil es ebenfalls nur eine begrenzte Menge gibt. Es ist ein seltenes Metall. Es hat eigentlich auch keine Funktion. Man hortet es oder man hängt es sich um den Hals. Andere Anwendungen sind marginal. Angenommen, jeder dahergelaufene Alchimist könnte nun plötzlich Gold herstellen, dann fiele es im Wert, und du könntest dir genauso gut Plastik um den Hals hängen.“ „Ich kann dir folgen, Garfield. Und gerade da wird’s brenzlig. Creti und Pleti können Kryptowährungen herstellen. Das läuft doch schon. Es gibt bereits über 1000 verschiedene Coins. Jede zwar nur in einer bestimmten Menge, aber insgesamt entwertet sich doch das System der Kryptowährungen damit selbst.“ „Hm, das ist ein Punkt … Da kommt es nun drauf an, dass sich einige durchsetzen und die anderen links liegen gelassen werden. Bitcoin, Ethereum und vielleicht noch ein paar andere ziehen die Aufmerksamkeit, die Nachfrage auf sich, und die anderen bleiben dann irrelevant. Es könnte wie in der Mode sein. Die großen, allen bekannten Namen machen das Rennen. Es ist nur ein Nachfrageproblem. Nur wenn die ausbleibt, ist man am Arsch.“ „Will man Währungen wie den Bitcoin, die nicht von Zentralbanken ausgegeben werden,  aus der Welt schaffen, kann man die Bitcoinkäufer auch einfach verunsichern; man macht ihnen Angst, und schon gibt es eine Flucht aus dem Bitcoin, die Nachfrage bricht weg, und er ist nicht mehr viel wert. Vielleicht ist dann doch Gold besser …“ „Vielleicht sind die Leute auch einfach nicht so blöd, sich verunsichern zu lassen.“ „Und was ist mit der Blockchaintechnologie? Wenn der Bitcoin verschwindet, verschwindet die dann auch?“ „Olivia! Das ist doch was ganz anderes. Beim Übertragen von Bitcoins wird Blockchaintechnologie benutzt. Diese Technologie eignet sich zum sicheren Übertragen und Aufbewahren von einer Menge werthaltiger Informationen, wie etwa Verträgen. Hier ist Hacken sinnlos, da eine Information beim Übertragen auf einer Million Rechnern denzentral gespeichert wird. Wird ein Rechner gehackt, wird das erkannt, ein Hacker müsste eine Million Rechner gleichzeitig hacken, das ist schwierig. Da haben wir ein ganz anderes Produkt. Der Vorteil ist allerdings auch der Pferdefuß. Man braucht zuviel Rechnerkapazität.  Aber so wie Batterien immer mehr Energie speichern können, werden Rechner immer mehr Informationen speichern können.“ „Soll mich das beruhigen?“ „Beruhigend ist hier nichts. Noch mehr Schnickschnack, der uns vom Eigentlichen, von den wichtigen Inhalten im Leben, ablenkt.“