Meine Freunde haben mich gestern Abend in den Film: Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne geschleppt: Wir sind in den zwanziger Jahren: Obwohl sie nicht viel über die Gastgeberin wissen, strömen jedes Jahr aufs Neue zahlreiche Musikliebhaber zum alljährlichen pompösen Fest im Schloss von Marguerite Dumont. Dort geht die wohlhabende Dame ihrer großen Leidenschaft nach und gibt ihr Gesangstalent zum Besten. Das Problem bei der ganzen Sache ist allerdings, dass sie über ein derartiges Talent nicht verfügt, sondern ausschließlich schiefe Töne hervorkrächzt. Ihr das zu sagen, traut sich jedoch keiner. Stattdessen wird sie von den Anwesenden als Ausnahmetalent gefeiert. Nachdem dann auch noch ein lobhudelnder Zeitungsartikel über sie veröffentlicht wird, bestärkt sie das endgültig, ihren großen Traum einer Karriere als Opernsängerin zu verwirklichen. Sie nimmt Gesangsunterricht beim Opernstar Atos Pezzini, um sich auf ihr erstes Konzert vor einer fremden Zuschauerschar vorzubereiten… Das Desaster kann nicht ausbleiben. Es passiert aber nicht, wie man erwartet, bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt. Sondern erst, als ihr Arzt, um sie von ihrem Wahn zu heilen, ihren Gesang aufnimmt und ihr vorspielt. Sie hört sich zum ersten Mal, sozusagen von aussen, singen und fällt tot um. Der Film sei interessant für mich, hatten meine Freunde gesagt. Ich wurde den Verdacht nicht los: Meinten sie mich? Während die Sängerin schiefe Töne hervorkrächzte, brachte ich womöglich schiefe Texte hervor?! Bis ich mir sagte, das bin nicht ich, schliesslich besitze ich kein Schloss.






„Ohne
nach etwas Harmlosem, Zärtlichem, Unschädlichem. Ihr auch?

Garfield hat versprochen, er zieht bei mir aus. Wenn sein Filmproduzent ihm eine neue Rolle gibt. Er möchte ein Supermann Kostüm und die Welt retten (uff). Einstweilen übt er sich auf meine Kosten in politischem Smalltalk. „Die Idee mit der Übergangsregierung in Syrien hatt ich auch.“ Ich rolle mit den Augen: „Und wie willst du Assad zum Gehen bewegen?“ frag ich Garfield. „Was ist seine Alternative? Ein Ende wie Saddam Hussein oder ein Ende wie Gaddafi. Da ist es doch gemütlicher für ihn, er darf sogar bei der nächsten Wahl kandidieren.“ „Und wenn die Syrer, die noch dort sind, ihn wieder wählen?“ „Es müssen unbedingt auch die Syrer im Ausland wählen dürfen.“ „Und wenn er trotzdem wieder dran kommt?“ „Dann ist es immer noch besser als das, was wir jetzt haben. Sogar Saddam und erst recht Gaddafi waren besser als das, was wir jetzt haben. In der Politik gibts häufig keine gute Lösung, und du musst das kleinere Übel akzeptieren.“ „Schlechte Welt“, murmle ich. „Wieso schlecht?“ ruft Garfield aus. „Die Syrer haben dann selbst entschieden, und für ihre gewählte Regierung können sie dann auch gegen den IS kämpfen, egal wo sie gerade sind. Und irgendwann alles wieder aufbauen.“ Ich fürchte, Garfield ist ein bisschen zu realistisch.
Wie wäre das: Es liegt etwas in der Luft, das uns alle müde macht, müder und müder. Etwas Rätselhaftes. Niemand möchte es wahrhaben. Die meisten finden banale, übliche Ursachen für ihre zunehmende Müdigkeit oder gewöhnen sich so daran, dass sie sich nicht mehr an die Zeit vor der grossen Müdigkeit erinnern können, die Müdigkeit für den Normalzustand halten. Aber die Müdigkeit ist nicht normal. Sie ist … unheimlich. Eines Tages findet irgend eine Person die Ursache der grassierenden Müdigkeit heraus. Die Ursache gibt Anlass zu grosser Beunruhigung. Die Person wird für verrückt erklärt, verlacht und dann diffamiert etc. etc. Eine Roman Idee.




