Sterbewohl

Dystopischer Kriminalroman

Was tust du, wenn dein Staat dich im Rentenalter auffordert, eine Sterbepille zu schlucken, damit du der Allgemeinheit nicht zur Last fällst?

Sagst du Nein und erträgst die Repressalien? Fliehst du ins Ausland? Versuchst du die Schweinerei öffentlich anzuprangern und die Regierung zu stürzen? Oder schluckst du das tödliche Gift?

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Nadja, Anna, Max und Fred werden vom Staat aufgefordert, Sterbewohl, eine tödliche Pille, zu schlucken, weil er ihre Renten nicht mehr bezahlen kann. Sie wehren sich und bieten dem Staat die Stirn.

KLAPPENTEXT

Nadja, Anna, Max und Fred leben in einer Alters-WG. Deutschland ist nur noch eine Scheindemokratie. Die regierende BP (Bürgerliche Partei) „löst“ das Rentenproblem, indem sie Rentnern und Pensionären schmackhaft macht, Sterbewohl zu schlucken. Zu dem Zweck lädt die Regierung zu Sterbeseminaren in luxuriöse Hotels ein. Unsere WG-Bewohner sind in hellem Aufruhr. Alle haben vom Gesundheitsministerium eine Einladung zum Sterbeseminar auf Fehmarn erhalten. Offiziell ist das Einnehmen der Sterbepille zwar freiwillig. Wie manche munkeln, kehrt aus den Sterbehotels aber niemand mehr zurück.

SCHNIPSEL

Ich stand vor dem Wandkalender in meiner Wohnung und blickte auf die Tage, die im April noch blieben, bis sie uns abholten. Im Dritten Reich hatten sie einen abgeholt, wenn man Jude war. Jetzt holten sie dich ab, wenn du alt warst. Statt allerdings wie damals in schmutzigen Baracken zusammengepfercht auf den Tod zu warten, bekamst du in einem Luxushotel nach einem Fünf-Gang-Essen bei Kerzenlicht in einer Suite die Pille serviert, die dich aus dem Leben beförderte. Leise Musik berieselte dich, du durftest deine Lieblingsmusik wählen und Sterbewohl mit einem Glas Champagner schlucken.

SCHNIPSEL

Es war sehr ruhig am Strand. Unnatürlich ruhig. Die Gäste redeten kaum miteinander. Viele tranken die auf Tischchen neben den Liegestühlen bereitgestellten Cocktails. Soweit ich die Gesichter mustern konnte, sah niemand glücklich aus. Manche wirkten traurig, manche einfach nur nachdenklich. Wussten die anderen auch, was hier vor sich ging? Machten sie sich Sorgen, die Nächsten zu sein, die das Zeitliche segnen mussten? Planten manche ihre Flucht? Hatten welche bereits resigniert und warteten nur darauf, dass man ihnen den Tod verabreichte? Sahen sie keinen Ausweg mehr für sich? Oder ahnten sie noch nichts und langweilten sich nur? Das Essen war zwar abwechslungsreich, aber der Tagesablauf immer derselbe. Und sie ließen einem praktisch keine Freiheit, die Zeit selbst zu gestalten. Sicher war es auch nicht besonders erbaulich, dass man sich hier jeden Tag mit dem Alter und dem Tod befassen musste.  Gezwungenermaßen.

SCHNIPSEL

Ich blickte mich eingehend um. Die meisten Hotelgäste waren noch zu jung, um schon zu sterben, es war noch nicht ihre Zeit. Nur ein sehr kleiner Teil war im höheren Alter. Es gab nur ganz wenige sichtlich Gebrechliche; da waren zwei Männer, die ich vorher noch nicht im Hotel bemerkt hatte, sie wurden im Rollstuhl von ihren Pflegern zur Gästegruppe dazugeschoben. Der eine alte Mann konnte seinen Kopf nicht mehr gerade halten, er lag auf seiner Schulter, während aus dem Mundwinkel unentwegt Speichel tropfte und die Lippen so feucht machte, dass sie in der Sonne wie Gelee glänzten. So war das Leben vielleicht nicht mehr schön. Dass so jemand sterben wollte, konnte ich noch begreifen. Vielleicht taten ihm auch alle Knochen weh oder er konnte nur in dieser schiefen Position schmerzlos sitzen, weil sich seine Wirbel verschoben hatten.

LESEPROBE

Deutschland-Fehmarn-Flügger

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