Schiefe Texte

Madame MargueriteMeine Freunde haben mich gestern Abend in den Film: Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne geschleppt: Wir sind in den zwanziger Jahren: Obwohl sie nicht viel über die Gastgeberin wissen, strömen jedes Jahr aufs Neue zahlreiche Musikliebhaber zum alljährlichen pompösen Fest im Schloss von Marguerite Dumont. Dort geht die wohlhabende Dame ihrer großen Leidenschaft nach und gibt ihr Gesangstalent zum Besten. Das Problem bei der ganzen Sache ist allerdings, dass sie über ein derartiges Talent nicht verfügt, sondern ausschließlich schiefe Töne hervorkrächzt. Ihr das zu sagen, traut sich jedoch keiner. Stattdessen wird sie von den Anwesenden als Ausnahmetalent gefeiert. Nachdem dann auch noch ein lobhudelnder Zeitungsartikel über sie veröffentlicht wird, bestärkt sie das endgültig, ihren großen Traum einer Karriere als Opernsängerin zu verwirklichen. Sie nimmt Gesangsunterricht beim Opernstar Atos Pezzini, um sich auf ihr erstes Konzert vor einer fremden Zuschauerschar vorzubereiten… Das Desaster kann nicht ausbleiben. Es passiert aber nicht, wie man erwartet, bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt. Sondern erst, als ihr Arzt, um sie von ihrem Wahn zu heilen, ihren Gesang aufnimmt und ihr vorspielt. Sie hört sich zum ersten Mal, sozusagen von aussen, singen und fällt tot um.  Der Film sei interessant für mich, hatten meine Freunde gesagt. Ich wurde den Verdacht nicht los: Meinten sie mich? Während die Sängerin schiefe Töne hervorkrächzte, brachte ich womöglich schiefe Texte hervor?! Bis ich mir sagte, das bin nicht ich, schliesslich besitze ich kein Schloss.schiefe Schrift

 

 

 

Garfield und das billige Öl

Garfield will sich bei mir fest einnisten. Irgendetwas muss ich unternehmen. Jeden Morgen nervt er mich mit seinem Politik Geschwätz. „Warum sagt niemand, wer das Öl vom IS kauft?“ „Garfield, lass mich doch bitte in Ruhe Kaffee trinken.“ Garfield bin ich egal, er schwadroniert einfach weiter: „Öl kannst du ja nicht versteckt wie winzige Diamanten schmuggeln. Das sind Riesen Mengen, die verschwindend wenige Verteilerwege haben, wie ein, zwei Pipelines oder Tanklastwagen oder… Wenn ich nen Diamanten nur schmuggeln könnte, indem ich ihn durch ne Röhre schicke, dann wär doch schnell klar, wer ihn am andern Ende bekommt.“ „Garfield, kannst du bitte mal still sein, ich will in Ruhe Kaffee trinken…“ Garfield mit Diamanten

Muße

Garfield, der so schnell nicht mehr bei mir auszieht, fürchte ich …, hat sich auf meine Seite geschlagen und für mich ein Bild aus dem Netz runter geladen:Muse „Ohne Muße kommt kein einziges grosses Projekt zustande. Die meisten wissen das aber gar nicht mehr. Muße ist leere Zeit, in der kein Geld verdient wird, denken heute so einige. Vielleicht denken sogar manche inzwischen, Muße wäre ne Süßspeise, so was wie ne Mousse. Das Wort ist stark ausser Gebrauch.“

(Uff. Garfield hat doch glatt Muße und Muse verwechselt. Eben korrigiert.)

 

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Die Sofabombe

Die Terroranschläge, die Flüchtlinge, die Desintegration ganzer Länder, das zerstörte Sicherheitsgefühl, du hast den Eindruck, du darfst dich gar nicht mehr mit etwas Harmlosem beschäftigen wie zum Beispiel einer Romanhandlung. Dein Autorendasein kommt dir noch nichtiger vor als es ohnehin schon von deiner gesamten Umgebung angesehen wird. „Was machst du nur den ganzen Tag?“, hat mich erst gestern wieder jemand gefragt.  Ich weiss, sie stellen sich vor, ich liege den ganzen Tag auf dem Sofa, und anscheinend empfinden sie das irgendwie als schädlich. „Ich lege jedenfalls keine Bomben“, habe ich im Geist geantwortet. „Die Sofabombe“ weiterlesen

Smalltalk

Garfield6Garfield hat versprochen, er zieht bei mir aus. Wenn sein Filmproduzent ihm eine neue Rolle gibt. Er möchte ein Supermann Kostüm und die Welt retten (uff). Einstweilen übt er sich auf meine Kosten in politischem Smalltalk. „Die Idee mit der Übergangsregierung in Syrien hatt ich auch.“ Ich rolle mit den Augen: „Und wie willst du Assad zum Gehen bewegen?“ frag ich Garfield. „Was ist seine Alternative? Ein Ende wie Saddam Hussein oder ein Ende wie Gaddafi. Da ist es doch gemütlicher für ihn, er darf  sogar bei der nächsten Wahl kandidieren.“ „Und wenn die Syrer, die noch dort sind, ihn wieder wählen?“ „Es müssen unbedingt auch die Syrer im Ausland wählen dürfen.“ „Und wenn er trotzdem wieder dran kommt?“ „Dann ist es immer noch besser als das, was wir jetzt haben. Sogar Saddam und erst recht Gaddafi waren besser als das, was wir jetzt haben. In der Politik gibts häufig keine gute Lösung, und du musst das kleinere Übel akzeptieren.“ „Schlechte Welt“, murmle ich. „Wieso schlecht?“ ruft Garfield aus. „Die Syrer haben dann selbst entschieden, und für ihre gewählte Regierung können sie dann auch gegen den IS kämpfen, egal wo sie gerade sind. Und irgendwann alles wieder aufbauen.“ Ich fürchte, Garfield ist ein bisschen zu realistisch.

La grande fatigue

müdemüdeWie wäre das: Es liegt etwas in der Luft, das uns alle müde macht, müder und müder. Etwas Rätselhaftes. Niemand möchte es wahrhaben.  Die meisten finden banale, übliche Ursachen für ihre zunehmende Müdigkeit oder gewöhnen sich so daran, dass sie sich nicht mehr an die Zeit vor der grossen Müdigkeit erinnern können,  die Müdigkeit für den Normalzustand halten. Aber die Müdigkeit ist nicht normal. Sie ist … unheimlich. Eines Tages findet irgend eine Person die  Ursache der grassierenden Müdigkeit heraus. Die Ursache gibt Anlass zu grosser Beunruhigung. Die Person wird für verrückt erklärt, verlacht und dann diffamiert etc. etc. Eine Roman Idee.

Garfields Merkel

Figur2

Garfield ist schwer aufgebracht. „Garfield, bist du sicher, dass du nicht übertreibst?“ „Olivia: du musst einfach mal zehn Jahre weiter gehen. Von dort aus hast du eine neue Perspektive. 2025 wird die Merkel die Totengräberin Europas genannt werden. Zuerst hat sie den gesamten Süden kaputt gespart. (Und das, wo solche Sparmanöver in der Weimarer Republik ja schon mal saumässig schief gegangen sind und in die Nazi Diktatur führten). Und dann hat sie eine Flüchtlingspolitik betrieben, die Europa noch weiter entzweit hat. Europa ist mit ihr verdammt – ungemütlich geworden. Es ist wie mit nem Club, der den Beitrag so erhöht, dass es weh tut. Da trittst du irgendwann aus.“ „Also Garfield, du siehst ja gar nicht den humanitären Aspekt! Die Merkel hat in einem Moment der Not die Grenzen aufgemacht. Das war mutig! Sogar der Economist spendet ihr heute Beifall.“ Garfield ist immer noch aufgebracht. „Mag sein! Mag ja sein. Die Idee war gut, die Idee war human. Aber du weisst ja, was aus guten Ideen manchmal wird.“ „Was meinst du damit, Garfield?“ „Denk doch mal an den arabischen Frühling. War auch ne gute Idee. Und endete im grössten Desaster…“ Garfield wird langsam deprimierend. Hoffentlich zieht er bald bei mir aus und geht in seinen Film zurück!

Garfield will es wissen

„Mensch Garfield, du hast noch gar nicht mitbekommen, dass Dublin jetzt auf einmal wieder in Deutschland gilt.“ „Du meinst:  Dort wo ein Flüchtling aus einem Drittstaat in die EU gekommen ist, soll er ein Asylverfahren durchlaufen.“ „Genau.“ „Klar hab ich das mitbekommen, und es soll auf einmal auch noch vom 21. Oktober an gelten.“ „Ausser, wenn einer zuerst in Griechenland angekommen ist. Nach Griechenland wird keiner zurückgeschickt. Wegen der Zustände dort.“ „Aber aus Griechenland kommen ja die meisten… Das ist so als ob ich jemanden zu mir nach Hause einlade, dann wieder auslade, dann wieder einlade, hm, ich werd nicht schlau draus.“

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Garfield will es wirklich wissen

Gestern klingelt es mitten in der Nacht an meiner Tür. Ich wage nicht zu öffnen, sehe zuerst durch den Spion, und wer steht da?

Figur2

Garfield! Ich kenne Garfield, also öffne ich. Garfield bittet mich, ihn fürs Nächste zu beherbergen, er sei endlich aus seinem Film geflohen. Er habe es satt, sich fürs Publikum zum Idioten zu machen. Hm, ist das ein Fall von Asyl, frage ich mich noch? Und schon schlüpft er in meine Wohnung. Jetzt lebe ich vorübergehend, hoffentlich nur vorübergehend, mit Garfield zusammen. Beim Frühstück diskutieren wir über Politik. Ich bin überrascht, dass Garfield sich für Europa interessiert. Wir geraten sogar in eine hitzige Debatte. Garfield: „Wie kommen die Deutschen eigentlich auf die Idee über eine Million Syrer zu Deutschen machen zu wollen? Das wollen die Syrer doch gar nicht. Die wollen doch irgendwann wieder in ihr Land zurück. Die finden es hier im Norden doch beschissen anders, jedenfalls beschissen kalt.“ Ich versuche Garfield zu erklären: „In Syrien muss zuerst eine politische Lösung gefunden werden…“ Garfield lässt mich gar nicht ausreden. „Und überhaupt all die Leute einzuladen, wenn man sie gar nicht unterbringen kann. Ich lad doch auch niemanden zu mir zum Übernachten ein und sag dann, ihr müsst leider draussen im Zelt schlafen.“ „Garfield“, versuche ich ihn zu beruhigen, „das ist eine Notsituation, da klappt nicht alles, wie man es gern hätte.“ Garfield lässt sich nicht beruhigen: „Und jetzt, wo sie gemerkt haben, dass sie keinen Platz mehr haben, sollen die Frauen und Kinder „zuhause“ bleiben? Die Männer sind jetzt zuhauf in Europa, aus dem Bürgerkrieg fort, und die Frauen und Kinder, die sollen dann im Bürgerkrieg bleiben oder in diesen Camps an den syrischen Grenzen, wo sie nicht mehr genug zu essen bekommen?! Sonst heisst’s doch immer Frauen und Kinder zuerst!“ Hrmpf, ich schlucke. Mir gehen langsam die Worte aus, während Garfield einfach weiter redet… „Warum hat niemand die Camps dort beizeiten mit Nahrungsmitteln aufgestockt, das wäre das Mindeste und Klügste gewesen!? Alles ein verdammtes Durcheinander. Ein Kater hätte das besser gemacht…“ „Garfield will es wirklich wissen“ weiterlesen

Olivia, die Schnecke

Schnecke „Olivia, du kommst voran wie eine Schnecke.“ Eben habe ich auf deintextdeinbuch ein Romanmanuskript von 2005 eingestellt. Dort sucht man Verleger oder Agenten. Die Figuren des Romans bewegen sich wie Mücken in einem Schwarm beliebig, sinnlos hin und her, verlassen jedoch nicht die engen Grenzen des Schwarms. Auch wenn ihre Bewegungen beliebig sind, hält sie irgendetwas (Unwesentliches) zusammen. Im Zentrum steht der pensionierte Herr Ringtir. Seit er die dreissig Jahre jüngere Silvia geehelicht hat, steigert er sich in einen erotischen Wahn. Eines Tages ist Silvia mit Sack und Pack davon. Nach langen, teuren Mühen findet Herr Ringtir heraus, weshalb Silvia Hals über Kopf auszog. Die Gründe sind, um es mal vage zu formulieren, nicht die üblichen, nicht die, die man in der Situation erwarten würde. Weshalb die Geschichte dann auch nicht die Wendung nimmt, die unter vernünftigen Umständen zu erwarten wäre…

Es geht um eine Gesellschaft, die um Nichtigkeiten kreist. Kleinste, unbedeutende Anlässe führen zu großen Entscheidungen, die dann ebenso leicht und unsinnig wieder rückgängig gemacht werden. Im Schwarm regiert Idiotie. Und doch stürzt nicht alles ins Chaos, bildet der Schwarm nach außen eine zusammenhängende Wolke.

Ich glaube, ich bin nicht nur eine Schnecke, ich habe mir einen nicht unerheblichen Schnitzer geleistet: Ich habe im Roman die Ich-Perspektive gewählt. Ich schlüpfte während des Schreibens in die männliche Figur. Uff…

 

V.I.P. Gespenster

Geldtruhe„Also Olivia, dass du dich in deinem merkwürdigen Buch auch noch über V.I.P. Gespenster auslässt, ist schräg.“

…Eins der berühmtesten Gespenster Roms ist die Donna Olimpia Pamphili, die Schwägerin von Papst Innozenz X. Sie war eine Aufsteigerin, ungemein geschäftstüchtig, gierig und geizig. Den Papst soll sie sogar auf dem Totenbett bestohlen haben, sich in den Besitz von zwei unter seinem Bett befindlichen Geld-Truhen gebracht haben – man muß allerdings mildernd einwenden, sie war sehr wahrscheinlich seine Geliebte gewesen. Viele Römer wollen Donna Olimpia Pamphili sowohl bei ihrem Palazzo auf der Piazza Navona als auch an anderen Orten Roms gesehen haben, zumeist in einer Kutsche, auf der Flucht mit den Geldtruhen…