Was ist so schlimm an einer Obergrenze?

Große demokratische Einwanderungsländer haben Obergrenzen für Flüchtlinge:

Präsident Barack Obama hatte angesichts der humanitären Krisen im Nahen Osten und in Afrika die Obergrenze bei 110 000 Flüchtlingen für 2017 gezogen. Sein Nachfolger Trump hat diese auf 50 000 Personen heruntergesetzt und für 2018 auf 45 000.

Wenn im Schnitt weniger als ein Prozent der Antragsteller (etwa der Bürgerkriegsflüchtlinge) letzten Endes Asyl wegen politischer Verfolgung nach Artikel 16a Grundgesetz erhalten, bedeutet eine Obergrenze keineswegs automatisch eine Aushebelung des Grundgesetzes.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-10/union-obergrenze-fluechtlinge-csu-regierungsbildung

Sicher ist bei uns die Diskussion aufgrund unserer Vergangenheit delikater. Andererseits führt der unkontrollierte Zuzug zum Aufkommen radikal Gesinnter und einer Aushöhlung der Demokratie. Seien wir ehrlich, der Rechtsruck im Parteienspektrum geht auf die Flüchtlingspolitik zurück, nicht auf Probleme bei Pflege, Rente oder Löhnen. Soziale Gerechtigkeit, viel zu abstrakt, hat die Wähler kaum motiviert, AfD zu wählen.

Führen wir keine Obergrenze ein, machen sich noch mehr Bürgerkriegsflüchtlinge nach Europa auf den Weg. Millionen sind in Afrika und im Nahen Osten noch en route. Weitere Tausende werden ertrinken, und die meisten kommen vom Regen in die Traufe, aus Kriegszuständen und Camps in prekäre Situationen in einem fremden Land, das vielleicht nicht einmal ihre Kinder und deren Kinder ordentlich integriert. Bei den jungen türkischen Generationen im Land findet sogar seit längerem eine Desintegrierung von türkischer Seite statt, als Reaktion auf die in größeren Teilen misslungene Integration.

Man könnte es auch so sehen, das Land hat seinen moralischen Soll erfüllt, wir haben mehr Flüchtlinge aufgenommen als alle anderen EU-Länder. Niemand wird uns jetzt kritisieren, wenn wir eine Obergrenze einführen.

Eine Obergrenze hat dabei nichts mit der Haltung zu Einwanderung überhaupt zu tun. Ohne qualifizierte Einwanderung geht in der globalen Welt wenig. Was wäre der FC Bayern ohne einen Jérôme Boateng?

Sicherlich ist die ganze Diskussion menschlich nicht befriedigend, sieht man das Elend, möchte man helfen. Für sich privat kann man die Entscheidung treffen zu helfen, auch wenn es die eigenen Möglichkeiten übersteigt, und man sogar dabei untergeht. Eine demokratisch gewählte Regierung darf das nicht.

 

 

Was ist so schlimm an einer Obergrenze?

Große demokratische Einwanderungsländer haben Obergrenzen für Flüchtlinge:

Präsident Barack Obama hatte angesichts der humanitären Krisen im Nahen Osten und in Afrika die Obergrenze bei 110 000 Flüchtlingen für 2017 gezogen. Sein Nachfolger Trump hat diese auf 50 000 Personen heruntergesetzt und für 2018 auf 45 000.

Wenn im Schnitt weniger als ein Prozent der Antragsteller (etwa der Bürgerkriegsflüchtlinge) letzten Endes Asyl wegen politischer Verfolgung nach Artikel 16a Grundgesetz erhalten, bedeutet eine Obergrenze keineswegs automatisch eine Aushebelung des Grundgesetzes.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-10/union-obergrenze-fluechtlinge-csu-regierungsbildung

Sicher ist bei uns die Diskussion aufgrund unserer Vergangenheit delikater. Andererseits führt der unkontrollierte Zuzug zum Aufkommen radikal Gesinnter und einer Aushöhlung der Demokratie. Seien wir ehrlich, der Rechtsruck im Parteienspektrum geht auf die Flüchtlingspolitik zurück, nicht auf Probleme bei Pflege, Rente oder Löhnen. Soziale Gerechtigkeit, viel zu abstrakt, hat die Wähler kaum motiviert, AfD zu wählen.

Führen wir keine Obergrenze ein, machen sich noch mehr Bürgerkriegsflüchtlinge nach Europa auf den Weg. Millionen sind in Afrika und im Nahen Osten noch en route. Weitere Tausende werden ertrinken, und die meisten kommen vom Regen in die Traufe, aus Kriegszuständen und Camps in prekäre Situationen in einem fremden Land, das vielleicht nicht einmal ihre Kinder und deren Kinder ordentlich integriert. Bei den jungen türkischen Generationen im Land findet sogar seit längerem eine Desintegrierung von türkischer Seite statt, als Reaktion auf die in größeren Teilen misslungene Integration.

Man könnte es auch so sehen, das Land hat seinen moralischen Soll erfüllt, wir haben mehr Flüchtlinge aufgenommen als alle anderen EU-Länder. Niemand wird uns jetzt kritisieren, wenn wir eine Obergrenze einführen.

Eine Obergrenze hat dabei nichts mit der Haltung zu Einwanderung überhaupt zu tun. Ohne qualifizierte Einwanderung geht in der globalen Welt wenig. Was wäre der FC Bayern ohne einen Jérôme Boateng?

Sicherlich ist die ganze Diskussion menschlich nicht befriedigend, sieht man das Elend, möchte man helfen. Für sich privat kann man die Entscheidung treffen zu helfen, auch wenn es die eigenen Möglichkeiten übersteigt, und man sogar dabei untergeht. Eine demokratisch gewählte Regierung darf das nicht.

 

 

 

Lob der Faulheit

Im Film „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ über Stephen Hawking berichten seine Kommilitonen, er sei ausgesprochen faul gewesen.

https://www.youtube.com/watch?v=BfUekbglaAs

Im Klappentext zu Wolfgang Schneiders „Enzyklopädie der Faulheit“ heißt es:

Sie waren große Faulpelze: Charlie Chaplin, Albert Einstein, George Gershwin. In der Schule haben sie versagt, und doch kennt jeder ihre Namen. Vielleicht war ja gerade ihre Faulheit die Basis ihres Weltruhms. Bemerkte doch schon Salomon: „Wer seine Tätigkeit einschränkt, erlangt Weisheit.“ Und Dostojewski ebenso treffend: „Einsamkeit und Faulheit liebkosen die Phantasie.“

Als ich in Florenz mit ein paar wirklich begabten Künstlern in einem Atelier arbeiten durfte, spielten alle erstmal quasi stundenlang herum, bevor sie sich an die ernste Arbeit machten, und dann entstand plötzlich  etwas Fabelhaftes. Dort ging mir ein Licht auf.

Gute Einfälle brauchen vorausgehende Spielerei, Blödelei. Das sieht wie Faulheit aus, und es ist auch eine bestimmte Art von Faulheit. Ich vertrödle meine Zeit ewig auf Facebook, um mich vor der Arbeit zu drücken, das Herumspielen bringt mein Gehirn aber dann so in Gang, dass ich endlich mit dem Wesentlichen anfangen kann. Wie funktioniert das?

Beim Spielen und Herumblödeln entsteht ein besonderer Aufmerksamkeitsmodus, man hat eigentlich ein gemindertes Bewusstsein, ist nicht fokussiert, alles geht wie von selbst, ein bisschen Trance-artig.  Ein EEG würde zeigen, die kurzen Betawellen im Gehirn werden von längeren Alphawellen abgelöst, vielleicht sogar noch von Thetawellen, die nur noch von den im Tiefschlaf auftretenden Deltawellen an Langwelligkeit übertroffen werden. In so einem Zustand erweitert sich unser Bewusstsein  (vgl. etwa  beim Physiker Amit Goswami, Das Bewusste Universum). Nach dem Verhaltensforscher William Braud bedeutet ein gemindertes Bewusstsein Labilität: Labilität ist die Bereitschaft zur Veränderung. Ein labiles System verändert sich leichter als ein träges. Labilität ist die Leichtigkeit, mit der sich ein System von einem Zustand in einen andern begeben kann. Labile Geister sind offener für Neues und Subtiles, sie können rasch von einer Idee oder einem Bild zum andern huschen. Und so ist Faulheit eine Voraussetzung für phantastische Einfälle. Große Ideen entstehen kaum unter Zwang, selten zielgerichtet, meistens in Folge absichtslosen Spielens, Trödelns, Blödelns, Faulenzens.

Es gilt:

Wittgenstein