Lob der Faulheit

Im Film „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ über Stephen Hawking berichten seine Kommilitonen, er sei ausgesprochen faul gewesen.

https://www.youtube.com/watch?v=BfUekbglaAs

Im Klappentext zu Wolfgang Schneiders „Enzyklopädie der Faulheit“ heißt es:

Sie waren große Faulpelze: Charlie Chaplin, Albert Einstein, George Gershwin. In der Schule haben sie versagt, und doch kennt jeder ihre Namen. Vielleicht war ja gerade ihre Faulheit die Basis ihres Weltruhms. Bemerkte doch schon Salomon: „Wer seine Tätigkeit einschränkt, erlangt Weisheit.“ Und Dostojewski ebenso treffend: „Einsamkeit und Faulheit liebkosen die Phantasie.“

Als ich in Florenz mit ein paar wirklich begabten Künstlern in einem Atelier arbeiten durfte, spielten alle erstmal quasi stundenlang herum, bevor sie sich an die ernste Arbeit machten, und dann entstand plötzlich  etwas Fabelhaftes. Dort ging mir ein Licht auf.

Gute Einfälle brauchen vorausgehende Spielerei, Blödelei. Das sieht wie Faulheit aus, und es ist auch eine bestimmte Art von Faulheit. Ich vertrödle meine Zeit ewig auf Facebook, um mich vor der Arbeit zu drücken, das Herumspielen bringt mein Gehirn aber dann so in Gang, dass ich endlich mit dem Wesentlichen anfangen kann. Wie funktioniert das?

Beim Spielen und Herumblödeln entsteht ein besonderer Aufmerksamkeitsmodus, man hat eigentlich ein gemindertes Bewusstsein, ist nicht fokussiert, alles geht wie von selbst, ein bisschen Trance-artig.  Ein EEG würde zeigen, die kurzen Betawellen im Gehirn werden von längeren Alphawellen abgelöst, vielleicht sogar noch von Thetawellen, die nur noch von den im Tiefschlaf auftretenden Deltawellen an Langwelligkeit übertroffen werden. In so einem Zustand erweitert sich unser Bewusstsein  (vgl. etwa  beim Physiker Amit Goswami, Das Bewusste Universum). Nach dem Verhaltensforscher William Braud bedeutet ein gemindertes Bewusstsein Labilität: Labilität ist die Bereitschaft zur Veränderung. Ein labiles System verändert sich leichter als ein träges. Labilität ist die Leichtigkeit, mit der sich ein System von einem Zustand in einen andern begeben kann. Labile Geister sind offener für Neues und Subtiles, sie können rasch von einer Idee oder einem Bild zum andern huschen. Und so ist Faulheit eine Voraussetzung für phantastische Einfälle. Große Ideen entstehen kaum unter Zwang, selten zielgerichtet, meistens in Folge absichtslosen Spielens, Trödelns, Blödelns, Faulenzens.

Es gilt:

Wittgenstein

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