Faulende Bücher

Meine Nachbarin hat entdeckt, dass ich gerade ein altes Buch veröffentlicht habe. Dieses Buch schrieb ich vor vielen Jahren. Es ist ein Gesellschaftsroman und spielt im Florenz der dreissiger bis fünfziger Jahre. Ich wollte mich rechtfertigen. Sie unterbrach mich mitten im Satz: „Das ist ja als ob man faulendes Obst anbietet!“ Ich brummte nur: „Hrmpf.“ memento mori

 

Schiefe Texte

Madame MargueriteMeine Freunde haben mich gestern Abend in den Film: Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne geschleppt: Wir sind in den zwanziger Jahren: Obwohl sie nicht viel über die Gastgeberin wissen, strömen jedes Jahr aufs Neue zahlreiche Musikliebhaber zum alljährlichen pompösen Fest im Schloss von Marguerite Dumont. Dort geht die wohlhabende Dame ihrer großen Leidenschaft nach und gibt ihr Gesangstalent zum Besten. Das Problem bei der ganzen Sache ist allerdings, dass sie über ein derartiges Talent nicht verfügt, sondern ausschließlich schiefe Töne hervorkrächzt. Ihr das zu sagen, traut sich jedoch keiner. Stattdessen wird sie von den Anwesenden als Ausnahmetalent gefeiert. Nachdem dann auch noch ein lobhudelnder Zeitungsartikel über sie veröffentlicht wird, bestärkt sie das endgültig, ihren großen Traum einer Karriere als Opernsängerin zu verwirklichen. Sie nimmt Gesangsunterricht beim Opernstar Atos Pezzini, um sich auf ihr erstes Konzert vor einer fremden Zuschauerschar vorzubereiten… Das Desaster kann nicht ausbleiben. Es passiert aber nicht, wie man erwartet, bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt. Sondern erst, als ihr Arzt, um sie von ihrem Wahn zu heilen, ihren Gesang aufnimmt und ihr vorspielt. Sie hört sich zum ersten Mal, sozusagen von aussen, singen und fällt tot um.  Der Film sei interessant für mich, hatten meine Freunde gesagt. Ich wurde den Verdacht nicht los: Meinten sie mich? Während die Sängerin schiefe Töne hervorkrächzte, brachte ich womöglich schiefe Texte hervor?! Bis ich mir sagte, das bin nicht ich, schliesslich besitze ich kein Schloss.schiefe Schrift

 

 

 

Muße

Garfield, der so schnell nicht mehr bei mir auszieht, fürchte ich …, hat sich auf meine Seite geschlagen und für mich ein Bild aus dem Netz runter geladen:Muse „Ohne Muße kommt kein einziges grosses Projekt zustande. Die meisten wissen das aber gar nicht mehr. Muße ist leere Zeit, in der kein Geld verdient wird, denken heute so einige. Vielleicht denken sogar manche inzwischen, Muße wäre ne Süßspeise, so was wie ne Mousse. Das Wort ist stark ausser Gebrauch.“

(Uff. Garfield hat doch glatt Muße und Muse verwechselt. Eben korrigiert.)

 

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Die Sofabombe

Die Terroranschläge, die Flüchtlinge, die Desintegration ganzer Länder, das zerstörte Sicherheitsgefühl, du hast den Eindruck, du darfst dich gar nicht mehr mit etwas Harmlosem beschäftigen wie zum Beispiel einer Romanhandlung. Dein Autorendasein kommt dir noch nichtiger vor als es ohnehin schon von deiner gesamten Umgebung angesehen wird. „Was machst du nur den ganzen Tag?“, hat mich erst gestern wieder jemand gefragt.  Ich weiss, sie stellen sich vor, ich liege den ganzen Tag auf dem Sofa, und anscheinend empfinden sie das irgendwie als schädlich. „Ich lege jedenfalls keine Bomben“, habe ich im Geist geantwortet. Weiterlesen „Die Sofabombe“

La grande fatigue

müdemüdeWie wäre das: Es liegt etwas in der Luft, das uns alle müde macht, müder und müder. Etwas Rätselhaftes. Niemand möchte es wahrhaben.  Die meisten finden banale, übliche Ursachen für ihre zunehmende Müdigkeit oder gewöhnen sich so daran, dass sie sich nicht mehr an die Zeit vor der grossen Müdigkeit erinnern können,  die Müdigkeit für den Normalzustand halten. Aber die Müdigkeit ist nicht normal. Sie ist … unheimlich. Eines Tages findet irgend eine Person die  Ursache der grassierenden Müdigkeit heraus. Die Ursache gibt Anlass zu grosser Beunruhigung. Die Person wird für verrückt erklärt, verlacht und dann diffamiert etc. etc. Eine Roman Idee.

Olivia, die Schnecke

Schnecke „Olivia, du kommst voran wie eine Schnecke.“ Eben habe ich auf deintextdeinbuch ein Romanmanuskript von 2005 eingestellt. Dort sucht man Verleger oder Agenten. Die Figuren des Romans bewegen sich wie Mücken in einem Schwarm beliebig, sinnlos hin und her, verlassen jedoch nicht die engen Grenzen des Schwarms. Auch wenn ihre Bewegungen beliebig sind, hält sie irgendetwas (Unwesentliches) zusammen. Im Zentrum steht der pensionierte Herr Ringtir. Seit er die dreissig Jahre jüngere Silvia geehelicht hat, steigert er sich in einen erotischen Wahn. Eines Tages ist Silvia mit Sack und Pack davon. Nach langen, teuren Mühen findet Herr Ringtir heraus, weshalb Silvia Hals über Kopf auszog. Die Gründe sind, um es mal vage zu formulieren, nicht die üblichen, nicht die, die man in der Situation erwarten würde. Weshalb die Geschichte dann auch nicht die Wendung nimmt, die unter vernünftigen Umständen zu erwarten wäre…

Es geht um eine Gesellschaft, die um Nichtigkeiten kreist. Kleinste, unbedeutende Anlässe führen zu großen Entscheidungen, die dann ebenso leicht und unsinnig wieder rückgängig gemacht werden. Im Schwarm regiert Idiotie. Und doch stürzt nicht alles ins Chaos, bildet der Schwarm nach außen eine zusammenhängende Wolke.

Ich glaube, ich bin nicht nur eine Schnecke, ich habe mir einen nicht unerheblichen Schnitzer geleistet: Ich habe im Roman die Ich-Perspektive gewählt. Ich schlüpfte während des Schreibens in die männliche Figur. Uff…

 

V.I.P. Gespenster

Geldtruhe„Also Olivia, dass du dich in deinem merkwürdigen Buch auch noch über V.I.P. Gespenster auslässt, ist schräg.“

…Eins der berühmtesten Gespenster Roms ist die Donna Olimpia Pamphili, die Schwägerin von Papst Innozenz X. Sie war eine Aufsteigerin, ungemein geschäftstüchtig, gierig und geizig. Den Papst soll sie sogar auf dem Totenbett bestohlen haben, sich in den Besitz von zwei unter seinem Bett befindlichen Geld-Truhen gebracht haben – man muß allerdings mildernd einwenden, sie war sehr wahrscheinlich seine Geliebte gewesen. Viele Römer wollen Donna Olimpia Pamphili sowohl bei ihrem Palazzo auf der Piazza Navona als auch an anderen Orten Roms gesehen haben, zumeist in einer Kutsche, auf der Flucht mit den Geldtruhen…

 

 

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