Die merkwürdige Welt des „Luna Park 2“. Mini-Leseprobe.

 

Kapitel 14

Die Einladung ins Schloss der Geheimnisse

Der König ging ganz nah an ihnen vorbei, sodass Zaza ein starker Lufthauch streifte, und befahl knapp: „Folgt mir!“

Ohne zu überlegen, folgten sie ihm. Sie gingen den Gang weiter nach hinten, bogen ab und blieben vor der Tür mit der Aufschrift „Zutritt verboten“ stehen.

„Ihr wolltet doch in diesen Raum?“, sagte der König herausfordernd.

Beide sahen betreten vor sich hin.

Der König öffnete die Tür. „Bitte!“

Zaza machte ein jämmerliches Gesicht. Sie fühlte sich schuldig, obwohl sie doch diejenige gewesen war, die gar nicht mehr in den verbotenen Raum gewollt hatte.

In dem Raum war ein großer Flachbildschirm. Und es waren dort Unmengen von DVDs aufgestapelt. Ein bequemer Polstersessel stand vor dem Schirm, und Kopfhörer lagen auf einem Beistelltisch.

Bevor Zaza noch überlegen konnte, dass das Verbotene höchstens auf den DVDs sein konnte, schaltete der König einen Videorekorder an.

Der große Flachbildschirm wurde hell, und dann kam eine ungeheure Überraschung: Sie sahen Kussszenen aus allen möglichen Kinofilmen. Eine an der andern. Paare küssten sich durch die Jahrzehnte hindurch. Sie erkannten Cary Grant und Mae West, Vivien Leigh und Clark Gable, Richard Gere und Julia Roberts, Drew Barrymore und E.T., Leonardo DiCaprio und Kate Winslet, Brad Pitt und Angelina Jolie, Julie Delpy und Ethan Hawke, Justin Bieber und Emma Watson. Es waren so viele, dass einem schwindelig werden konnte. Dann klickte es leise, und der Schirm wurde schwarz.

Zaza und Lorenzo wussten nicht, wie sie reagieren sollten.

Der König lachte bitter. Er zeigte auf die anderen DVDs. „Hier sind die Liebesszenen aller je in eurer Welt gedrehten Filme aufbewahrt.“

„Aber warum?“, brachte Zaza fast gegen ihren Willen heraus. Sie wollte jetzt auf keinen Fall vorlaut erscheinen.

Der König machte ein betrübtes Gesicht. „Ich habe schon Tausende von Stunden hier verbracht und alle diese Küsse und Umarmungen auf mich wirken lassen. Habe jede Kleinigkeit studiert, jedes Zucken der Mundwinkel, jedes Zittern der Hände, jede Schweißperle an den Schläfen.“ Er machte eine ausladende Bewegung mit dem Arm. „Ich verstehe es einfach nicht.“

Zaza und Lorenzo verstanden auch nichts mehr. Was verstand der König nicht? Warum war das ein verbotener Raum?

Zaza kam es auf einmal wie eine Erleuchtung, und sie platzte heraus: „Liebe!“

Der König lachte laut. „Die darf es im Schloss nicht geben.“

„Daher der verbotene Raum.“ Zaza hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen.

„Du hast es erfasst, verehrte Zaza. Die Liebe gibt es in meiner Welt nicht. Ich selbst habe sie nicht und kann sie nicht verstehen. Ich kann sie nicht geben und auch nicht erwidern.“ Der König räusperte sich. „Jetzt habe ich schon zu viel verraten. Und ich verrate euch trotzdem noch mehr. Wer hier etwas mit Liebe zu tun hat, der hat nichts im „Luna Park“ zu suchen. Der gehört nicht hierher.“

Zaza und Lorenzo sahen sich geschwind verstohlen an.

Der König lachte erneut laut. „Ihr seid nur verliebt, das ist es noch nicht.“

Zaza fühlte sich peinlich berührt und wusste nicht, wo sie hinsehen sollte. Ihr Blick fiel auf die Stapel von DVDs. Auf dem Rücken einer dieser DVDs las sie „Caritas“. Sie wusste, es war lateinisch und hatte auch etwas mit Liebe zu tun. Da, es fiel ihr wieder ein: Caritas bedeutete Nächstenliebe.

Dem König war es nicht entgangen. „Es gibt so vieles, das mit Liebe verwechselt wird. Es ist auch deshalb so schwer, zu wissen, was sie ist. Etwa Leidenschaft oder Sex haben, so scheint es, damit nicht viel zu tun.“

Zaza überlegte flüchtig, ob der König wenigstens leidenschaftlich sein konnte oder sogar Sex hatte.

Der König lächelte böse. Es war ein Lächeln, das sich selbst verschluckte, in sich selbst erlosch. Und Zaza erschrak. Dann machte er eine Handbewegung, als wolle er sie beide aus dem Raum scheuchen und verlieh dem noch mit einem Kopfnicken Nachdruck. Zaza und Lorenzo begriffen und schoben sich vorsichtig an ihm vorbei nach draußen.

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Mini-Leseprobe aus „Luna Park 2, Jahrmarkt der Gier“

Mini-Leseprobe aus „Luna Park 2, Jahrmarkt der Gier“

 Kapitel  7

Das Spiel

„Also, Zaza, du bekommst eine Stelle in der Zentralbank Nord. Du wirst Assistentin des Präsidenten.“

Zaza riss die Augen weit auf, brachte kein Wort heraus vor Staunen.

„Brauni“, der König lächelte. Sein Lächeln verschwand aber gleich wieder, so abrupt wie ein Licht, das man ausschaltet. „Brauni, du wirst im selben Gebäude wie Zaza arbeiten. Dort ist auch eine Geschäftsbank untergebracht. Als Anlageberater bekommst du ein eigenes Büro mit Sekretärin.“

„Wow“, entfuhr es Brauni. Er wirkte auf mich so, als sei er stolz auf dieses Angebot.

„Und jetzt zu Dugo.“

Mir lief es kalt über den Rücken, als er mich mit seinen schwarzen Augen fixierte.

„Du wirst Geschäftsführer und Inhaber unserer größten Videothek in „Luna Park Nord“. Wir haben dort Tausende von Filmen aller Sparten. Du kannst das Geschäft auch erweitern, vielleicht noch eine Bibliothek einrichten. Ob du das mit den Einkünften bestreitest oder Kredit aufnimmst, ist deine Sache. Wirtschafte ganz, wie du es für richtig hältst.“

Ich liebe Filme und Bücher. Das war genau der richtige Job für mich. Brunos Anfall von Stolz störte mich jetzt nicht mehr; ich war nicht schlechter weggekommen als er.

Camel rückte nervös auf seinem Sessel hin und her. Endlich kam der König auf ihn zu sprechen. „Ich denke, dir würde es Spaß machen, die Rennbahn 3 in „Luna Park Nord“ zu betreiben. Die Rennwagen dort entsprechen den Rennwagen in deiner Welt. Du hast Lamborghinis, Ferraris, McLarens und so weiter. Sie fahren nur nicht so schnell. Das wäre zu gefährlich. Als Geschäftsführer und Inhaber kannst du mit den Einkünften machen, was du willst: Du kannst sie verbrauchen, ein schönes Leben führen, Häuser kaufen, Feste geben, Freundinnen gewinnen, oder du kannst sie investieren und deine Rennbahn zur größten und schönsten im ganzen Park machen.“

Camel liebte heiße Schlitten und sah schon ganz verzückt vor sich hin.

„Und Sie meinen, Exzellenz, wir könnten das auf Anhieb schaffen, ohne jede Vorbereitung?“, fragte Camel dann aber mit wackliger Stimme. „Wir sind doch erst dreizehn. Haben noch nie gearbeitet.“

„Jeder von euch bekommt einen meiner Bediensteten an seine Seite. Der kann jedwede eurer Fragen beantworten. Nichts wird unklar bleiben. Und: So schwierig sind diese Dinge alle gar nicht. Die meisten Erwachsenen tun nur so, als seien alle diese Jobs kompliziert, weil sie sich damit groß machen wollen, oder weil sie anderen Angst einjagen wollen. Es geht um Macht.“

Brauni nickte. Ihm schien das einzuleuchten. Ich war der Ansicht, dass es auch eine Menge Unfähige gab. Und wir gehörten zu denen. Wir hatten keine, nicht die winzigste Erfahrung. Ich wüsste vielleicht nicht mal, was ich den Bediensteten, der mir helfen musste, fragen sollte.

Zaza musste mich beobachtet und begriffen haben, dass mein Selbstvertrauen zusammenschmolz. Ganz leise sagte sie zu mir: „Wenn ich nicht weiß, was ich tun soll, dann sag ich einfach zu dem Bediensteten: Machen Sie es mal. Ich schau dann zu und versuch zu lernen.“

Ja, so konnte es klappen. Vielleicht funktionierte es auch in der Erwachsenenwelt so. Nannte man das dort nicht „Delegieren“?

„Regelmäßig“, sagte der König laut, um unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen, „findet hier im Schloss ein Briefing statt. Da sehen wir dann mal, wie es bei euch so läuft.“ Sein Lächeln war jetzt leicht hämisch, hatte ich den Eindruck. Während ich überlegte, was „Briefing“ bedeutete, wollte Brauni gerade noch Ananasscheiben auf seinen Teller laden, als der König aufstand und rief: „Es geht los!“

 

Ein paar Seiten später

Zuerst führte der König Zaza und Brauni in Braunis zukünftiges Büro. Brauni staunte über die Größe. Hundert Quadratmeter, eingerichtet in Leder und Chromstahl, ringsum Glaswände mit einer spektakulären Aussicht über den Park. In einem Nebenzimmer arbeiteten zwei Sekretärinnen und Braunis persönlicher Assistent.

Der König tippte Brauni auf die Schulter. „Durch deine Hände wird viel Geld fließen“, sagte er und wollte damit offenbar die Wichtigkeit von Braunis Position betonen. „Deine Kunden sind die Geschäftsleute des „Luna Parks“, die Restaurantbetreiber, Fahrgeschäftsbetreiber, alle, die in „Luna Park Nord“ oder Süd ein Geschäft unterhalten, etwas verkaufen. Du vergibst an sie Kredite und verkaufst ihnen Wertpapiere. Eigentlich brauchst du gar keinen Assistenten, da der Vorstand der Bank dir die Wertpapiere empfehlen wird, die du weiterverkaufst. Je mehr Kredite du vergibst und je mehr Wertpapiere du verkaufst, desto größer dein Erfolg. Du hast ein Grundgehalt von 50 000 Euro monatlich, und jeder erfolgreiche Geschäftsabschluss wird mit einem Bonus belohnt.“

Brauni nickte sachverständig. Es schien ihm alles einzuleuchten. Bei dem Wort „Bonus“ blitzten seine Augen. Brauni setzte sich probeweise in den schwarzen Ledersessel vor seinem Schreibtisch aus Chromstahl und Glas, wippte hin und her, drehte sich im Kreis, lächelte selbstvergessen, bis der König zum Aufbruch aufforderte: „Gehen wir jetzt hoch, in die Zentralbank.“

„Und wann sehen wir mein Haus an?“, fragte Brauni schon leicht enttäuscht. Anscheinend war in ihm eine Art Gier nach mehr erwacht.

„Später“, erwiderte der König knapp.

Der Aufzug in den zwanzigsten Stock brauchte gerade mal fünf Sekunden. Als die Tür aufging, war Zaza so geblendet, das sie unkontrolliert „W-wow, ich bin geflasht!“ herausstotterte. Die Empfangshalle erstrahlte in Silber und Gold.

Der König zeigte Zaza und Brauni zuerst die Direktionsbüros und das Konferenzzimmer. Hier war der Einrichtungsstil schottisch: mit Edelhölzern getäfelte Wände, Vorhänge und Sessel mit Karomuster.

„Die Zentralbank nimmt die obersten fünf Etagen ein“, erklärte der König zu Zaza gewandt. „Das hier ist die Zentralbank Nord. Es gab mal eine Zentralbank Süd. Die haben wir irgendwann geschlossen, als wir in Süd und Nord eine einheitliche Währung eingeführt haben. Die Zentralbank Süd hatte praktisch keine Funktion mehr.“ Der König lachte. „Die einheitliche Währung ist der Euro. Die Zentralbank Nord beeinflusst die Kreditzinsen, zu denen die Geschäftsbanken, also etwa unser lieber Brauni, Kredite vergeben darf. Sie sorgt für Geldstabilität und, und, und. In letzter Zeit tut sie auch einiges Unübliches. Sie greift der Verwaltung Süd oder Nord unter die Arme, indem sie deren Schuldtitel kauft. Manchmal können sich die Verwaltungen einfach nicht genügend Geld von den Bürgern des „Luna Parks“ besorgen, die Titel werden von ihnen nicht gekauft, und auch den Geschäftsbanken kann man nicht beliebig viele davon aufdrängen. Naja, und obendrein macht die Zentralbank nicht nur Geldpolitik, sondern trifft noch ganz andere politische Entscheidungen. Wir haben hier ja kein Parlament. Die Zentralbank ist daher ein bisschen ein Mädchen für alles. Ich will dich nicht langweilen, liebe Zaza. Vielleicht noch auf ein kleines Problemchen aufmerksam machen. Im Süden gab es früher eine andere Währung, den Daikiro. Der war eine schwache Währung und die Zinsen im Süden waren dreimal so hoch wie die im Norden. Es war also teuer, sich Geld zu leihen. Der Norden hatte eine starke Währung, die Eumark, und niedrige Zinsen. Irgendwann setzte der Norden durch, es solle für Nord und Süd nur noch eine Währung geben, den Euro. Der Wirtschaftsraum aus Nord und Süd sollte enger zusammenwachsen. Anfangs blühte der Süden auf. Die Südler konnten auf einmal Kredite für vier Prozent statt für zwölf Prozent aufnehmen. Es kam zu einem Bauboom, neue Geschäfte entstanden. Irgendwann waren aber alle, auch die Verwaltung Süd, die sich um den Straßenunterhalt, die Beleuchtung, die Sicherheit und so weiter kümmert, so hoch verschuldet, dass es nur noch bergab ging. Die Verwaltung Süd hatte sich sogar dazu hinreißen lassen, zehn Achterbahnen zu bestellen, für die es natürlich bei Weitem nicht genügend Kundschaft gab. Sie rosten mittlerweile vor sich hin. Das Geld war ja so billig. Und jeder Kauf war zudem noch mit einem schönen Schmiergeld verbunden, sodass viele Verwalter geradezu kaufwütig wurden und sich ganz nett bereicherten. Diejenigen, die ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen konnten, verloren ihre Häuser und Geschäfte. Und die Verwaltung Süd häufte einen Schuldenberg an, den sie selbst nicht mehr abbauen konnte. Der Süden hatte ja keine Zentralbank mehr, die einfach Geld drucken konnte, um den Verpflichtungen nachzukommen. Und der Süden konnte so auch nicht mehr seine eigene Währung abwerten, um aus dem Schlamassel durch mehr Wettbewerbsfähigkeit wieder rauszukommen. Der Norden wurde hingegen noch wettbewerbsfähiger, da der Euro schwächer war als die alte Eumark des Nordens.“

Zaza hörte aufmerksam zu, verstand aber kaum etwas.

„Ich will jetzt nicht zu ausführlich sein, dich nicht überfordern. Jedenfalls ist zwischen Nord und Süd infolge des gemeinsamen Euros ein erhebliches Gefälle entstanden.“ Der König machte eine kleine Pause. „Und es nimmt weiter zu. Das Geld, das der arme Süden braucht, um seine Schulden zu begleichen, muss ihm jetzt der Norden geben. Der Norden tut dies auch. Unter bestimmten Bedingungen …“

Zaza bemerkte aufgeregt: „Wir waren schon auf dem Weg nach „Luna Park Süd“ und sind auch einer Person begegnet, die bettelte …“

Der König unterbrach Zaza, sein Ton war kalt. „In den Süden solltet ihr nicht gehen, das ist nichts für euch. Dort herrscht nicht nur Armut, sondern auch Kriminalität.“ Der König atmete fast schnaubend aus. „Jetzt zeige ich dir dein Büro.“ Der König öffnete eine Tür gleich neben einer imposanten Doppeltür auf der in Messing eingeprägt stand: „Zentralbankpräsident“.

Zazas Büro war kleiner als Braunis, dabei aber in wärmeren Tönen eingerichtet. Es gab sogar eine rosarote Sofaecke, und der Blick durch die Glasfront war hier oben einfach spektakulär.

Erst jetzt bemerkten Brauni und Zaza beim Hinausschauen wieder dieses Unding: Um den Park zog sich der gigantische Eisenzaun, und dahinter sah man nichts, nur blauen Himmel, blaue Luft.

Der König folgte ihrem Blick. „Es ist wie beim letzten Mal. Hier ist der Park“, er zeigte nach unten, „und außerhalb des Parks“, er machte eine weit ausholende Armbewegung, die einen Halbkreis beschrieb, „gibt es nichts. Wer den Park nicht auf die richtige Art verlässt, landet im Nichts. Aber, aber, was sollen die betretenen Gesichter. Das Spiel hat ja noch nicht einmal angefangen. Und ich versichere euch, ihr werdet großen Spaß haben.“ Der König lächelte und klatschte einmal in die Hände.

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Die Wahlen

“Olivia, willst du meine Kurzmeinung zu den Landtagswahlen hören?” “Garfield, lass mich bitte schlafen.” Dauert nicht lange. “Gewonnen hat die Merkel aus Sicht der Merkel.” “Garfield!” “Sie hat ihr Ziel erreicht. Sie hat die SPD erledigt.” “Uff.” “Kretschmann hat schlicht gewonnen. Der Mann gefällt mir ehrlich gesagt mehr als das Schlaule Wolf. Kretschmann wirkt altmodisch rechtschaffen. Kann aber noch enthronisiert werden. Dreyer ist eine Gewinnerin, alleine auf weiter Flur. Eine sehr bescheidene Gewinnerin ist die FDP, sie hat zum Glück wieder etwas zugelegt. Gemässigte Regierungskoalitionen sind auf einmal auf die Grünen angewiesen und werden statt zu zweit zu dritt sein. Hoch gefährlich sind die riesigen AfD-Gewinne. Die Bürger haben Protest-gewählt.” “Und was kann man gegen die AfD tun?” “SPD-Oppermann hat nen netten Vorschlag gemacht: Die CSU sollte im gesamten Bundesgebiet wählbar sein, um der AfD das Wasser abzugraben.” “Oppermann fände die CSU hilfreich und Kretschmann war einer der wenigen ehrlichen Verfechter Merkels. Wir haben ein interessantes Durcheinander.“ „Ein Durcheinander kann ungemein gefährlich sein. Die AfD hat die demokratische Parteienlandschaft durcheinander gebracht. Die grossen gemässigten Parteien schrumpfen, das ist als ob ein demokratisches Machtvakuum entsteht. Ein Nährboden für Extremismus.

Kein Kuss

Kein Kuss3

Soll man nach jahrelangem Schlummer in der Schublade noch einen Roman herausgeben, den niemand wollte? Warum nicht.

Kein Kuss.

Bring ich mich einfach um, wenn mein Leben am Alter scheitert?

Achtzig Jahre alt ist die Dame, die allein in ihrer Wohnung lebt und außer dem Fernseher keinen Freund mehr hat. Sie blättert in alten Briefen, die ihr früherer Bekannter, der berühmte Regisseur Angelotti ihr schrieb – Briefe, in denen er ihr wie einer guten Freundin von seinen Eskapaden berichtet, mit denen er sich selbst wieder und wieder das pralle Leben beweisen will. Während die Frau zusehends altert und kaum noch ihren Haushalt schafft, scheinen Angelottis Briefe direkt aus der Hölle zu kommen.

„… einzigartig unverblümt, provokant, brutal …“ (Zeitungskritik)

 

 

Leben als Comicfigur

August2015-2 - KopieZum Karneval kostümiere ich mich als Comic-Figur. Und erhole mich ein bisschen in einer weniger-dimensionalen, in einer Flachwelt. Dort ist alles simpler. Angenommen, du lebst nur auf 2 Dimensionen, auf einem flachen Blatt, dann würdest du eine Kugel mit ihren 3 Dimensionen, die dein Blatt durchquert, nur als flache Kreise unterschiedlicher Durchmesser wahrnehmen. Erholsam …©PENGART.COM

 

 

Alternde Filme – alternde Gefühle

Bertolucci Gefühl und VerführungGestern Abend sah ich im Fernsehen noch einmal „Gefühl und Verführung“ von Bertolucci. Der Film ist von 1996, und ich fand ihn damals langweilig. Scontato. Nicht nur, weil er mehr Atmosphäre als Handlung hat. Gestern hat er mich gerührt. Ein junges Mädchen möchte endlich ihre Jungfräulichkeit verlieren und verzweifelt beinahe an dem Fehlen von Liebe und Zärtlichkeit (wenigstens nicht von Schönheit) in ihrer Umgebung. Alle um sie herum gehen primär Sexuellem nach, und sie sucht die wahre Liebe. Beinahe gerät sie an den Falschen, der sich jeden Tag an eine andere heranmacht. Und dann findet sie doch noch den schüchternen, respektvollen, sie liebenden jungen Mann. Der ihr dann gesteht: „Für mich war es auch das erste Mal.“ Nicht nur die Filme altern.

Herzlichen Glückwunsch

Groundhog dayIm Treppenhaus ruft mir meine Nachbarin laut: „Herzlichen Glückwunsch!“ zu. Habe ich heute Geburtstag? Nein … Dann ruft sie: „Herzlichen Glückwunsch einen Tag verspätet!“ Hatte ich gestern Geburtstag? Unsinn… Ich starre sie an mit offenem Mund. Mein Gehirn rast: Hat sie etwas über mich in einer Zeitung gelesen …? Hat jemand eins meiner Bücher rezensiert …?  Habe ich etwas gewonnen? Was …? „Herzlichen Glückwunsch zum groundhogs day!“

Gras ist über die Sache gewachsen

Gras darüber gewachsenLetztes Jahr verliess ich ein Kaffeekränzchen, weil ich angegriffen wurde. Ich hatte mich böse in der Wortwahl vergriffen. Ich sprach von meinem Beruf. „Du kannst doch nicht behaupten, dass du einen Beruf ausübst, wenn du nichts verdienst.“ „Schlimmer, sie verdient nicht nur nichts, sie gibt sogar noch Geld aus für ihre Schreiberei.“ „Genau, das ist kein Beruf. Das ist ein Hobby.“ „Es ist sogar ein Luxus! Ja, die Olivia nimmt sich da einen Luxus raus …“ … Heute ging ich nochmals zu dem Ort zurück, den ich damals so überstürzt verlassen hatte. Und es sieht so aus, als wachse langsam Gras über die Sache. Ich verdiene jetzt 23 Euro, 12 Cent im Monat. Mit meinen Büchern.

 

Zu viel Schlaf

„Was tut ein Autor überhaupt?“, fragt mich meine Nachbarin, als ich gerade den Müll raus trage. Eine zweite Nachbarin gesellt sich dazu: „Du hast doch erzählt, du schläfst so viel, Olivia …“  „Ja, ja sie schläft den ganzen Tag …“ „Du schläfst sicher auch beim Schreiben …“ Ich habe den Verdacht, sie haben mich mit meiner Katze verwechselt.

Katze auf PC schlafend

 

Altern

Alter

Meine Nachbarin hat mich heute Morgen im Schlafanzug und in Pantoffeln in der Waschküche überrascht. „Warum schreibst du eigentlich kein Buch übers Altern?“, fragte sie mich. Bevor ich noch darüber nachdenken konnte, was sie mir damit sagen wollte, fiel mir ein, dass das eine sehr interessante Idee wäre. Früher war Altern etwas Normales. Alte Menschen liessen sich einfach gehen. Man war alt, und es wurde nichts mehr von einem verlangt. Du durftest dich zurücklehnen und passiv sein. Das Alter war womöglich die reinste Erholung. Für alles, was man nicht mehr konnte, gab einem das Alter eine allgemein anerkannte Rechtfertigung. Vielleicht durfte man sogar wieder spielen wie ein Kind. Während heute das Alter als Krankheit eingestuft wird. Spätestens ab siebzig nimmt jeder seine fünf bis zehn Tabletten. Und steht unter Dauerstress, nicht mehr das tun zu können, was er in jüngeren Jahren tat. Der Titel könnte sein „Gib mir mein Alter zurück„.

Garfield liest …

Krieg im Wohnzimmer … Das beschreibst du doch  in deinem neuen Roman, Olivia!“ „Wie meinst du das, Garfield …?“ „Na, der Roman spielt doch mitten im Krieg. Und weil diese Florentiner Oberschicht-Kerle sich vor dem Kriegsdienst drücken, bekriegen sie sich privat.“ Ich bin baff,  liest Garfield Stirb in Florenz? „Also den schönen Ruspoli, den machen sie ja fertig! Aus purem Neid. Und der Alte, der die Geschichte erzählt, ist ein Riesen-Ekel. Ha, als der ein mächtiger Anwalt war, hat er fast seine gesamte Umgebung skrupellos geplagt. Geschieht ihm recht, dass er jetzt im Alter halb gaga ist und seiner Tochter gehorchen muss.“ „Er ist nicht gaga, er ist nur unbeweglich …“ Naja, auch, wenn er nicht alles versteht, liest Garfield immerhin den Roman. Ich bin ein bisschen gerührt.

 

Perseus3

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