„Kannst du dir Europa ohne England vorstellen, Olivia? Europa spricht englisch, das ist unsere gemeinsame Sprache! …“ „Schon zu spät.“ „Quatsch, das Referendum ist unverbindlich, das Parlament muss noch zustimmen.“ „Ob die die guts haben, in der EU zu bleiben?“ „Cameron hat schlimmen Mist gebaut. Ganz Europa aufs Spiel zu setzen aus Machterhaltungsgründen. Es wäre am einfachsten, das Parlament lehnt das Referendum ab.“ „Schwierig, die Bevölkerungsmehrheit zu ignorieren. Wenn nur Cameron das Problem wäre.“ „Die EU-Politik muss sich grundlegend ändern, Schluss mit dem Sparwahn. Vernünftige Regelung der Zuwanderung. Unterschiedliche Regeln für unterschiedliche Länder. Kein Land alleine, egal wie stark es ist, bestimmt wo’s langgeht.“ „Ha, wenn alles so einfach wäre.“ „Am schwierigsten wäre es, den Austritt des UK zu bewältigen. 1985 gab es einen Präzedenzfall. Grönland, ein Teil Dänemarks, trat aus der Europäischen Gemeinschaft aus. Das hat sich über mindestens 10 Jahre hingezogen, und in dem Fall ging es nur um ein paar Fischereifragen. Der Austritt des UK dauert dann etwa 120 Jahre. Die Beamten der EU wären schlicht überfordert.“



Garfield sieht nichtmal hinter der Zeitung hervor, als ich mich an den Kaffeetisch setze. „Europa wird immer ärmer,“ grummelt er. „Der Binnenkonsum ist in den letzten 20 Jahren zusammengebrochen.“ „Was meinst du damit?“ „Im Zuge der Globalisierung sind die Löhne und Gehälter und die Renten und Pensionen gedrückt worden. Sogar die Bundesrepublik ist ein Niedriglohnland geworden. Und jetzt können wir unsre eigenen Produkte nicht mehr kaufen.“ „Du meinst wohl, da die EZB nicht mehr viel wirksamen Handlungsspielraum hat, es sei denn, gewisse gesetzliche Rahmenbedingungen, wie etwa der Maastrichtvertrag, werden verändert, soll die Politik Geld mit dem Helikopter abwerfen?“ „Schnurr. Löhne, Gehälter, Renten …, alles muss rauf.“ „Und wie willst du dann noch in einer globalen Wirtschaft konkurrenzfähig sein?“ „Du machst es mit Steuersenkungen. Nimm die Schweiz, die ist konkurrenzfähig, und im Land selbst sind die Löhne obszön hoch, bei akzeptablen Steuern. Die Kerle sind reich geblieben in einer ringsum verarmenden Welt. Es kann klappen.“ „Hm, Garfield. Und was wären dann akzeptable Steuern für dich persönlich?“ „25 % vom Einkommen würde ich akzeptabel finden und auch zahlen. Da liegt die Schmerzgrenze. Und ab da beginnt für mich die Steuerflucht.“ „Zum Glück musst du als Kater keine Steuern zahlen.“ „Aber du müsstest für mich Steuern zahlen.“ „Wi-wieso? Du bist mir doch nur zugelaufen. Ich wollte dich gar nicht! Ich bin damit, meiner Meinung nach, gar kein Katzenbesitzer …“ …