Leseprobe aus dem fast fertigen Kriminalroman „Die Pflegerin“ (Arbeitstitel), 190 Seiten

Aus dem Roman „Die Pflegerin“ (Arbeitstitel), 190 Seiten

S. 40 ff

 

„Wie wollen Sie beerdigt werden?“, fragt mich Herr Brunt.

Ich schlucke. Ich hatte schon an meine Beerdigung gedacht. Das tun womöglich viele Alleinlebende. Wenn niemand für einen da ist, muss man alles selbst regeln. Möglich, dass man nicht einmal jemanden hat, den man zur eigenen Beerdigung einladen könnte. „Ich weiß noch nicht einmal, ob ich eine Grabstätte kaufen muss.“

Herr Brunt lächelt knapp. „Ich habe für mich eine Erdbestattung festgelegt. Ich besitze noch das Grab meiner Eltern. Da ist Platz.“

Ich schweige. Herr Brunt ebenfalls. Dann sieht er mich an: „Ich habe meinen Wunsch in einem notariellen Testament festgelegt. Mein Sohn würde die billigste Variante wählen, mich verbrennen lassen. Wenn er dürfte, würde er mich am nächstbesten Ort ausstreuen. Wahrscheinlich in eine Mülltonne. Ich glaube, dass die Seele den Körper nicht gleich verlässt, und mein Sohn würde mich sicher noch am Tag meines Todes einäschern wollen. So etwas will ich verhindern.“

Herrn Brunts Worte bedrücken mich nicht nur, sie machen mir langsam Angst. Von Natur aus würde ich jetzt keine Frage stellen, ich muss aber unbedingt mehr wissen. „W-wieso würde Ihr Sohn so etwas …?“

Herr Brunt antwortet, als hätte er auf ein Stichwort gewartet: „Mein Sohn wollte mich umbringen.“

Ich muss tief Luft holen.

„Er glaubt, ich sei schuld am Tod meiner Frau. Dabei war es ein Reiseunfall. Ich kann ja verstehen, dass er wütend auf mich ist. Meine Frau und ich, wir hatten eine … schlechte Ehe geführt. Aber das ist ja nichts Außergewöhnliches. Am Anfang ist man verliebt. Und dann lebt man sich auseinander. Der eine entwickelt sich weiter. Der andere bleibt stehen und wird böse.“

Ich starre Herrn Brunt nur an.

„Sie wollen wissen, wie er es versucht hat?“

Meine Lippen bewegen sich, ich kriege aber kein Wort heraus.

„Ich mache jeden Abend einen Spaziergang ums Haus. Da hat er mir aufgelauert und versucht, mich zu überfahren. Er hat mich erwischt, ich flog in die Luft und knallte auf dem Bürgersteig auf. Ich blieb bewusstlos liegen. Er fuhr davon. War wohl davon ausgegangen, ich sei tot. Ein Nachbar fand mich und brachte mich ins Krankenhaus. Ich habe nie gesagt, wer es war.“

In meinem Hirn rattert es. Jetzt macht alles Sinn. „Ja dann ist Ihr Sohn … gefährlich … Dann kann er sie immer noch umbringen. Dann …!“

Brunt unterbricht mich: „Denken Sie, ich weiß nicht, was mein Sohn und die Schmitts mauscheln?“

Ich werde purpurrot.

„Sie vergiften mich.“

„Und das w-wissen Sie?!“ Aus allen meinen Poren bricht Schweiß.

„Sie wissen es doch auch.“

Mein Blut sackt ab, dann kehrt sich der Prozess um, mir wird heiß und mein Gesicht brennt lichterloh. Ich krächze: „W-wie …Wo-woher …?“

Herr Brunt lächelt : „Sie haben die drei belauscht.“

Mein Gesicht muss dunkelrot sein. „Ich w-wollte erst mehr herausfinden. Ich wollte sicher gehen, dass …“

Herr Brunt legt seine welke Hand auf meine. Sie ist so leicht wie ein Blatt.

Ich sehe ihn kläglich an: „Und was machen wir jetzt?“

*

Ein frommer Wunsch?

„Was überlegst du, Garfield? Du hast dein Frühstück noch nicht mal angerührt.“ „Impeachment-Überlegungen.“ „Die Russland-Connection?“ „Sollte Trump Wahlhilfe bekommen haben, dann sicher nicht so, dass er bald wieder aus dem Amt fliegt.“ „Du meinst, Russlandkontakte im Hinblick auf die Wahl werden ihm wohl nicht nachgewiesen werden können.“ „Manche meinen, es könnte wie bei Al Capone gehen.“ „?“ „Al Capone konnte kein gravierendes Mafia-Verbrechen nachgewiesen werden, kein Mord, aber sie kriegten ihn wegen Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Geldwäsche und verurteilten ihn 1931  zu elf Jahren Knast.“ „Hm.“ „Wenn Trump nicht nachgewiesen werden kann, dass er mit Russland unter einer Decke steckt, dann könnte er zumindest wegen Justizbehinderung fliegen, als er FBI-Comey gebeten hat, die Ermittlungen wegen der Russland-Kontakte von Flynn einzustellen. Comey war anscheinend so „entsetzt“, dass er den Inhalt des Gesprächs in einem Memo festgehalten hat.“  „Hm, dann gäbe es kein Impeachment wegen Wahlfälschung, Vorteilsannahme und womöglich Landesverrats, sondern „nur“ wegen Justizbehinderung…?“ „Es könnte allerdings gut sein, dass Trump russische Wahlhilfe bekommen hat, aber nichts davon wusste.“ „Und die Justizbehinderung?“ „Es kommt darauf an, was Comey noch aussagen wird. Trump soll zu Comey gesagt haben: Ich hoffe, Sie können das fallenlassen. Angenommen Comey bestätigt solcherlei, dann ist die Frage, wie legen sie das aus? Als Drohung oder als frommen Wunsch …„ „Du machst Witze…“

Wide World Photos, Chicago Bureau (Federal Bureau of Investigation)

Rätsel Comey

„Was meinst du zu Comey, Olivia?“ „Hm, Comey ist für mich ein Rätsel geblieben. Warum hat er kurz vor der Wahl Clintons E-Mail-Affäre wieder hochkochen lassen? Er hat damit wahrscheinlich die Wahl entschieden. Was sagst du, Garfield. Du hast sicher wieder ne gewagte Ansicht.“ „Ich blick auch nicht richtig hinter Comey. Zumindest gibt es zwei Möglichkeiten.“ „Aha?“ „Entweder ist Comey ein unabhängiger, überpflichtbewusster Beamter und bringt etwas heraus, sobald genügend Recherchematerial da ist, ungeachtet des politisch günstigen oder ungünstigen Zeitpunkts.“ „Oder?“ „Oder er dient anderen Interessen.“ „Und was sollen das für Interessen sein, wenn er einmal gegen Clinton agiert hat und jetzt, wie es den Anschein hat, gegen Trump loslegen wollte?“ „Er ist von denen, deren Interessen er geschadet hat, so unter Druck gesetzt worden, dass er auf einmal gegenteilige Interessen vertreten musste.“ „Hm. Hältst du das für wahrscheinlich?“ „Ich tippe mal darauf, dass Comey eher der unabhängige, übereifrige Typus ist.“

 

Zur Erinnerung:

Zum Abschluss von FBI-Ermittlungen zur E-Mail-Affäre Hillary Clintons bescheinigte Comey ihr im Juli 2016 extreme Sorglosigkeit, empfahl aber keine Anklage.

Kurz vor der Wahl teilte Comey mit, neue E-Mails Clintons seien womöglich bedeutend für die eigentlich abgeschlossene Untersuchung.

Zwei Tage vor der Wahl sagte Comey, die Prüfung habe nichts Neues ergeben. Das kam aus Sicht des Clinton-Lagers zu spät.

Zuletzt hatte Comey wegen der bestätigten Ermittlungen des FBI zu Verbindungen des Trump-Teams nach Russland neuerlich Schlagzeilen gemacht.

(Quelle WZ)

 

 

Leseprobe: „Die Pflegerin“, novel in ashamingly slow progress

Aus dem Kriminalroman „Die Pflegerin“. S. 50f.

Ein glutenfreier Margarita-Kuchen steht auf dem Tisch. Ich schenke Herrn Brunt den giftfreien Kaffee ein, den ich selbst nachmittags zubereite. Jetzt sieht er mich zum erstenmal an. Er verdreht dabei seinen über den Teller hängenden Kopf so, als hinge er an einer waagrechten Stange. Der Kopf pendelt gleich wieder zurück, über den Teller. Es sieht erbärmlich aus. Ich vergesse für Sekunden, wer er ist. Die Schwere, die auf ihm lastet überträgt sich auf mich. Für Sekunden wünsche ich, dass er sich wieder normal halten kann, die Körperschwäche verschwindet. Dann isst er mit einer Hand den Kuchen, die andere hängt an seinem Arm herab wie ein Fremdkörper. Es ist still. Die Gabel schabt über den Teller. Als er fertig ist, stützt er sich mit beiden Händen an der Tischkante ab und kommt gerade zum sitzen. Ich fühle mich wie damals in der Schule, als ich nichts wusste und befürchtete, der Lehrer würde gerade mich fragen. Panik und vorgefühlte Scham bringen mich in Hitzewallung.

„Na, haben Sie mehr über mich herausgefunden?“

„W-wieso?

„Die Zeitungen unter Ihrer Matratze! Sie haben meine gesammelten Zeitungsartikel entwendet.“

„A-aber, Sie kommen doch gar nicht mehr die Treppe hoch“, entfährt es mir.

„Denken Sie, ich trinke all das Giftzeugs am Morgen? Einen Teil kippe ich in die Gummibaumtöpfe. Denen scheint es nicht zu schaden.“

Ich starre Brunt an.

„Wenn ich sterben will, dann nehm ich eine große Ladung von dem weißen Pulver in der Küche. Ich bestimme, wann es zu Ende ist.“

Mir fehlen die Worte.

„Nicht dass Sie mich falsch verstehen. Ich will sterben. Und zwar möglichst bald. Aber manchmal, da erscheint einem in all dem Elend noch etwas interessant und man möchte es noch eine Weile hinauszögern.“

Als ich immer noch schweige, sagt er: „Wie fänden Sie es, wenn jemand in Ihren Privatsachen rumschnüffelt?“

Ich bin eine Spur wütender als beschämt. Ich kenne das Muster. Menschen, die anderen Böses tun wollen, jagen ihren Opfern häufig noch Gewissensbisse ein, um ihre Verteidigung zu lähmen. „Ich finde es, ehrlich gesagt, harmlos, im Vergleich zu dem, was Sie sich geleistet haben.“ Ich greife unbewusst zum Kuchenmesser, um mich zu schützen, aber Herr Brunt braust nicht auf.

„Ich bin nicht stolz auf das, was ich getan habe.“

Mein Mund öffnet sich ganz von alleine.

„Ich kann es nicht wieder rückgängig machen.“

„Wieso haben Sie das alles getan? Die alten, hilflosen Frauen betrogen, den Leuten ihre Häuser weggenommen. Sie haben nicht Ihresgleichen etwas angetan, sondern nur Leuten, die schwächer waren als Sie. Weil sie in einer finanziellen Notlage waren, weil sie alt und schwach waren oder“, ich bin über mich selbst verwundert, dass ich schreie, „minderjährig!“

Brunts Augen schweifen fahrig über den Tisch.

„Wie konnten Sie denken, so etwas sei erlaubt?“

Brunt setzt sich auf seinem Stuhl zurecht und wirkt auf einmal so wenig debil, dass ich wieder das Kuchenmesser umfasse.

„Ich habe nicht viel gedacht, fürchte ich. Ich habe all das getan, weil ich es tun konnte.“

In mir kocht das Blut hoch. Ich stehe auf und mache mich daran, abzuräumen und ihn einfach sitzen zu lassen. Dann sage ich aber doch: „Und was ist Ihnen jetzt geblieben?“

„Nichts“, kichert er heiser. „Ihnen wird auch einmal nichts bleiben. Am Ende sind wir alle gleich.“

*

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„In der Vielzahl der Berater liegt die Sicherheit“ JFK

„Hat Trump eigentlich juristische Beratung?“ „Du meinst, er hat keine oder er nimmt sie nicht in Anspruch, Garfield?“ „Trump will nicht nur, dass die Deutschen aufrüsten, sondern dass sie auch dafür zahlen, dass sie in der Vergangenheit nicht genug fürs Militär ausgegeben haben. Trump rechnet da Summen auf, die sich daraus ergeben, dass Deutschland seit der ersten NATO-Selbstverpflichtung im Jahr 2002 unter dem Zwei-Prozent-Ziel blieb. Die NATO-Verträge sehen so etwas aber nicht vor. Es gibt keine Anspruchsgrundlage. Davon, dass kein NATO-Partner wollte, dass Deutschland groß aufrüstet, ganz zu schweigen …“ „Du meinst, Trump lebt nach wie vor in der Welt der Deals, in der alles verhandelbar ist?“ „Sieht so aus, Olivia. In der Welt des Geschäfts, in der du auch mal durchkommst, wenn du dich nicht an die Regeln hältst.“

 Bildergebnis für Trump und schlechte Berater cartoons

 

Germany second?

„Worüber hat kaum jemand berichtet, als Trump seine Pressekonferenz gab? Na. Olivia?“ „?“ „Über die Steuerreform, die er im März vorlegen will.“ „Hm. Wichtiges Thema … In erster Linie werden wohl Unternehmen profitieren.“ „Wobei dann in zweiter Linie wieder mehr Arbeitsplätze ins Land kommen.“ „Da fällt mir auf, Garfield, dass auch kaum jemand darüber berichtet hat, wieviele Investitionszusagen Trump in den letzten drei Wochen an Land gezogen hat.“ „Ein paar hundert Milliarden. Japan will allein 400 Milliarden in die amerikanische Infrastruktur investieren, Fiat-Chrysler will investieren, um nur zwei zu nennen, eine Menge europäischer, asiatischer und auch amerikanischer Unternehmen scharren schon mit den Füssen …“ „Und wer tut was für uns?“ „Gestern hab ich gehört, Schulz will etwas gegen die Zeitarbeit tun. Das klappt am besten, wenn mehr Arbeitsplätze entstehen. Er müsste dann ebenfalls einen tieferen Unternehmenssteuersatz vorschlagen.“ „Geht das überhaupt in Europa?“ „Klar. Schau dir Irland an. Deren Körperschaftssteuersatz liegt bei 12,5 %!“germany-second-2

„Stirb in Florenz“ im Indie-Lesefestival unter Kriminalliteratur

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E-Book

Neid Blick ins Buch

Circa 160 Seiten.

INHALT

„Ruspoli hatte wenige Freunde und viele Freundinnen. Wir Männer trauten ihm nicht so recht. Er war zu schön. Und was ihn noch verdächtiger machte, war sein Einfallsreichtum im Lösen der schwierigsten Rechtsfälle. Ruspoli kam mühelos auf Lösungen, an die noch keiner von uns gedacht hatte, beschritt neue Wege, die eleganter waren als die ausgetretenen Pfade. Er gab sich nicht zufrieden, einen Fall irgendwie zu lösen, sondern er fabrizierte mit großem Geschick auch noch die Lösung, die ihm die gerechteste zu sein schien. Ruspoli zeichnete sich durch ein in unserem Beruf völlig unangebrachtes Moralgefühl aus, das ganz im Gegensatz zu seinem privaten Lebenswandel stand; er machte sich an alle hübschen Frauen in seinem Umkreis heran, sogar an die jungen Gattinnen einiger Professoren. Er betrog eine mit der andern, und doch trug ihm keine ernstlich etwas nach, wenn er sie verließ. Die Opfer schienen sich auch noch geehrt zu fühlen, von Ruspo beglückt und hintergangen worden zu sein. Etwas stimmte nicht mit Ruspoli. Er kam ungeschoren davon, wo man einem andern ein Bein gestellt, eine Grube gegraben hätte.“

Als Ruspoli die Tochter eines berühmten Professors heiratet, scheint sein Aufstieg unaufhaltsam.

Doch dann nimmt sein Leben eine überraschende Wende.Abgang

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Die Geschichte des jungen Ruspoli erzählt ein alter Mann, ein pensionierter Anwalt. Der alte Mann und Ruspoli hatten gemeinsam die Universitätsbank gedrückt. Der alte Mann erzählt eine ganz gewöhnliche Neidgeschichte. Alle kennen wir das nagende Gefühl von Neid. Alle haben wir schon jemanden oder viele beneidet. Es gibt den positiven Neid, der uns etwa zu besseren Leistungen anspornt und den negativen Neid, bei dem jemand zerstören will, was der andere besitzt oder sogar, was der andere im Kern ist. Wie fing die Tragödie eigentlich an, fragt sich der alte Mann. Wann begannen die Kräfte zu wirken, die am Ende zur Vernichtung von Ruspoli führten …

Die Haupthandlung spielt im Florenz der dreissiger bis fünfziger Jahre.

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Der Roman erschien erstmals im Pano Verlag, Zürich unter dem Titel NEID und unter Pseudonym. Es wurden gerade mal 3 Exemplare verkauft! Das ist sicher ein Rekord …

Bevor ich anfing zu schreiben, habe ich länger recherchiert. Hilfreich war sicher auch, dass ich, ebenso wie Ruspoli, viele Jahre in Florenz gelebt habe.

 

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„I have inherited a mess.“

„Es hat sich gelohnt Trumps Pressekonferenz anzusehen.“ „Findest du, Garfield?“ „I have inherited a mess: So ist das, wenn man einen Staat übernimmt. Wenn du an einen Staat, egal an welchen, die Anforderungen einer ordentlichen Unternehmensführung stellst, dann stellst du fest, dass das Gebilde schon vor Urzeiten bankrott war und eigentlich gar nicht mehr bestehen dürfte.“ „Und das findest du lustig?“ „Im Gegenteil. Ich finde es traurig, dass die politischen Eliten so ineffizient wirtschaften. Wir leben in einer modernen Zeit. In der wird es immer weniger verständlich, wenn die Politik Zeit mit Machtspielchen verliert, statt dem eigentlichen Souverän, uns Bürgern, zu dienen. Der moderne Staat muss den Bürger beservicen, und das möglichst günstig (keine zu hohen Steuern).“ „Links, rechts, Ideologien wären dann out.“ „Es sei denn, sie bieten Rezepte, die Dienstleistungen des Staats für seine Bürger zu verbessern.“garfield-auf-dem-empire-state

Alte Kinderbücher

baer-lesendManchmal fallen einem alte Kinderbücher ein. Da entstehen die ersten großen Eindrücke. Aus den sechziger Jahren. Eine Bärenfamilie hat lange auf ihr erstes Auto gespart und kauft endlich den obligaten VW Käfer. Gleich auf der ersten Fahrt fahren sie im Übermut etwas zu schnell und bauen einen Totalunfall. Auf dem letzten Bild sieht man sie mit zerrissener Kleidung, verbundenen Köpfen, Armen und Beinen davonhumpeln. Die Bären taten mir unsäglich leid. Und ich fragte mich ängstlich: Ist das das Leben?

Autorenkummer

durchgestrichene-nullEben entdecke ich, dass mein hr2 Kulturgespräch über mein Sachbuch „Das Gedächtnis von Gegenständen oder die Macht der Dinge“ auf Youtube gelöscht worden ist. Womöglich schon seit langem … Sie sagen dort: „Dieses Video enthält Inhalte von WMG. Dieser Partner hat das Video aus urheberrechtlichen Gründen gesperrt.“ WMG könnte Warner Music Group sein. Kann mir nicht vorstellen, dass der hessische Rundfunk hier Rechte verletzt haben könnte. Das Gespräch hat seinerzeit auch der mdr gesendet und unter dem Link, der früher zum Gespräch führte, sehe ich gerade, kommt man jetzt nur noch auf die allgemeine Seite, findet es also ebenfalls nicht mehr.

Da ist man ohnehin schon eine Null. Und die Null wird noch gelöscht. Der Witz, derlei Pannen sind keine Ausnahme. Wahrscheinlich geht in den meisten Leben ungemein viel schief. Und das ist normal.

Ein neuer Regierungsstil

„Sagtest du gerade, an Trump gibt es nicht nur Schlechtes, Garfield?“ „Lassen wir mal die Inhalte seiner Politik beiseite. Er tut sofort, was er verspricht, setzt blitzschnell die Dinge um. Da erscheinen doch andere Staatschefs im Vergleich als lahme Enten.“ „Und was noch?“ „Es gibt bei Donald Trump einen sehr direkten Bezug zwischen Bürgern und der Spitze der Regierung. Er lädt Unternehmer, Gewerkschaftsbosse usw. ein, und die sagen ihm, was nicht klappt. Entsprechend versucht er, die Regeln zu ändern. Oder, jeder kann ihm auf Twitter folgen und sehen, was er denkt und was er als Nächstes tut. Für andere demokratische Regierungen, etwa bei uns in Europa, sind die Bürger im politischen Geschäft eher lästig, die Politik ist viel zu viel mit sich selbst beschäftigt, dabei sind die Bürger doch der Souverän.“ „Und meinst du, andere Regierungschefs stehen bereits unter Druck, dem Bürger effizienter zu dienen?“ „Martin Schulz hat gestern in seiner Rede im Willy-Brandt-Haus das Modell schon übernommen, als er sagte, die Politik müsse mehr den Bürgern dienen, statt sich in ewigen Streitereien zu verlieren.“donald-trump-martin-schulz

Der erste Zusammenprall

 

trump-und-de-nieto„Garfield, du siehst besorgt aus.“ „Es ist zwar erfrischend, wenn du einen Staat mit derselben Effizienz wie ein Unternehmen führst. Nur in der Aussenpolitik klappt das nicht. Die anderen Länder sind keine Konkurrenzunternehmen, die du über den Tisch ziehen kannst.“ „Du meinst, Trump will Mexiko über den Tisch ziehen.“ „Ich befürchte, er wollte anfangs versuchen, Mexiko zuerst die Mauer zahlen zu lassen unter Versprechungen wie etwa nichts Wesentliches an NAFTA zu ändern und dann hätte er später trotzdem NAFTA zugunsten der USA nachverhandelt.“ „De Nieto muss es gerochen haben. Er hat gleich abgelehnt. Trump hat dann angedroht, die Mauer werde Mexiko über Importzölle zahlen müssen. De Nieto hat gut pariert, er will nun NAFTA einfach aufkündigen, dann ist Mexiko wieder in einer stärkeren Verhandlungsposition … Du machst aber ein düsteres Gesicht.“ „Weil es um viel mehr geht als den Mexiko-Clash … Wenn du Trump nicht trauen kannst, kannst du Amerika nicht mehr trauen.“

 

„Was erwartet uns 2017, Olivia?“ „Sag Du’s.“

„Was erwartet uns 2017, Olivia?“ „Sag Du’s.“ „Einige wollen die Globalisierung beschneiden, andere sie erhalten. Alle denken mittlerweile, irgendetwas ist bei der Globalisierung aus dem Ruder gelaufen. Grosse Schichten sind ärmer geworden und denken immer radikaler.“ „Es spielen so viele Faktoren zusammen, dass es schwer ist, die Ursachen ausfindig zu machen.“ „Xi Jinping – nicht das ich ihn besonders mag … – meinte in Davos, die Europäer sollten mal auf die Schweiz schauen. Die sind nicht ärmer geworden in der globalisierten Welt und haben sogar noch eine überteuerte Währung.“ „Und was machen die richtig deiner Ansicht nach, Garfield?“ „Das hat er nicht gesagt … Wenn ich die Schweiz anschaue und dann Europa und die USA, dann gibt es da einen grossen Unterschied, der gleich ins Auge fällt.“ „Aha?“ „In der Schweiz sind die Löhne nicht gedrückt worden. Sie sind unverschämt hoch. Ich glaube, Zeitarbeit ist dort ein Fremdwort. In den USA sind bei vielen, insbesondere der mittleren und unteren Mittelschicht die Löhne auf dem Stand von vor 25 Jahren. In der EU ist es nicht viel anders. Dort wo es einen ruinösen Lohnwettbewerb gab, gibt es jetzt keinen Binnenkonsum mehr und das drückt dann noch mehr auf die Löhne. Ich glaube, wir dürfen nicht mehr mit den Löhnen der ganzen Welt konkurrieren, wir müssen mit Wissen, der Qualität von Produkten, Kultur konkurrieren.“garfield11

Kuh unter Palmen oder Lob des Handicaps

Mein Urlaub begann ungut. Am Flughafen angekommen, vergaß ich meine Handtasche auf einer Bank, auf der ich auf den Bus wartete. Im Hotel bekam ich als Alleinreisende wieder das Katzenzimmer. Mein Handy fiel aufgrund eines Netzwerkfehlers aus. Beim untauglichen Versuch, den Fehler zu beheben, löschte ich aus Versehen alle meine Kontakte, Nachrichten und Fotos. In meinem zweiten Zimmer funktionierte das Festnetz nicht und ich war nicht imstande, die Rezeption dazu zu bewegen, das Telefon zu reparieren. Meine eingepackte Kleidung erwies sich als nicht warm genug. Ich hatte versäumt, die Temperaturen vor der Reise im Internet nachzusehen und und und. Die Selbstanalyse ergab: ich bin ein aufgeregtes Huhn, das nicht mehrere Dinge zugleich tun darf, schön langsam eins nach dem andern erledigen muss. Ich bin eine Kuh unter Palmen. Etwas später kam mir ein tröstlicher Gedanken. Jeder tritt das Leben mit bestimmten Handicaps an. Je grösser sie sind, desto grösser die Herausforderungen. Einen Urlaub durchzuführen kann für jemanden mit großen Handicaps so schwierig sein wie für eine Person mit kleinen Handicaps, ein Land zu regieren. Unsere äußerlichen Lebensumstände mögen sich gewaltig voneinander unterscheiden, innerlich/subjektiv bewältigen wir dasselbe, gleichen sich unsere Leben ziemlich genau.kuh-unter-palmen

„Der Staat gegen Fritz Bauer“ oder „Man darf sich der Tyrannei nie beugen“

Film über die Jagd auf Eichmann

Gestern auf Sky den tollen Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ gesehen. Es geht um jene Jahre im Leben des Generalstaatsanwalts Fritz Bauer, in denen er half, Eichmann in Argentinien zu verhaften. Bauer hatte kein Vertrauen in die deutsche Justiz, in der zu viele Juristen aus der Nazi-Zeit überdauert hatten. Also arbeitete er mit dem israelischen Geheimdienst zusammen. Eichmann wurde geschnappt. Und auch wenn Bauer nicht die Auslieferung an Deutschland erreichte, so konnte er in Deutschland die Anklage des Personals von Auschwitz vorantreiben. Ab 1963 kamen die Täter in Frankfurt vor Gericht – und Bauer sorgte dafür, dass das Land sich damit auseinandersetzte.

Ein Satz hat mich besonders berührt: „Man darf sich der Tyrannei nie beugen“.

"Der Staat gegen Fritz Bauer" von Lars Kraume ab sofort im Kino

Der Irrtum des „Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern“.

Gestern noch einmal den „Leopard“ auf Arte gesehen.

In Lampedusas Roman fasziniert die tolle Sehnsucht nach Prunk und Verfeinerung einer entschwundenen Zivilisation. Aber nicht nur. Lampedusa zeigt die Gefahren einer gesellschaftlichen Umwälzung; wie der Niedergang des sizilianischen Hochadels im 19. Jahrhundert einem Bürgertum Platz machte, das sich seinerseits wieder als brüchig erwies durch das Heraufkommen einer organisierten Massengesellschaft à la Mussolini, Hitler und Stalin.

Der Fürst von Salina verheiratet seinen Neffen Tancredi mit Angelica, der Tochter des neureichen Provinz-Bürgers Don Calógero. Sein Prinzip ist: „Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern.“ Leider funktioniert das Prinzip nicht. Die adlige Welt löst sich auf.

Der Roman hat ungemeine Aktualität. Die Vielen, die heute rechstpopulistisch wählen, meinen ebenfalls, dass sich alles ändern muss, damit sie ihren Status Quo halten können. Ein gefährlicher Prinzipienirrtum.

 

Beeindruckt haben mich, als ich das Buch vor vielen Jahren las, die Formen von Überfluss in dieser verschwundenen Gesellschaft, die Feinheiten im Umgang miteinander und der zuweilen doch rustikale Witz. Ich werde mich immer an die Seiten erinnern, auf der Lampedusa die Unmengen verschiedener, grandioser Dolci beschreibt!

 

„Ein Haus, in dem man alle Räume kennt, ist nicht wert, bewohnt zu werden.“ Giuseppe Tomasi di Lampedusa

Verlorene Stimmung

Manchmal denke ich zurück an meine Kindheit, und eine bestimmte Stimmung an einem bestimmten Ort schwebt mir vor. Intuitiv meine ich, dass die Stimmung nicht nur mit dem Ort, sondern fast mehr noch mit der Zeit zusammenhängt. Es ist die Stimmung an einem Ort zu einer bestimmten Zeit. Ich bin dann überrascht, wie intensiv mir diese Stimmung in der Erinnerung erscheint. In meinem heutigen Leben empfinde ich diese intensive Stimmung an denselben Orten kaum mehr. Vielleicht, weil viel zu viel zu schnell vorüberzieht, und sich nichts mehr verdichten kann. Ich schwimme in einem Meer, aus dem man das Salz entfernt hat. Oder so ähnlich.

Der Sündenbock EU und die Kastrierten

„Die EU ist zum Sündenbock geworden für die Verlierer der Globalisierung. Und das sind mittlerweile grosse Teile der europäischen Gesellschaft. Dabei haben die Mitgliedsstaaten Mist gebaut. Angefangen mit Merkel, die federführend im Kaputtsparen der EU-Staaten war und dann noch die Ängste der britischen EU-Gegner befeuert hat mit einer unkontrollierten Zuwanderung im grossen Massstab. Vom Fehlkonstrukt des Euro gar nicht zu reden.“ „Garfield! Langsam, langsam. Dass die EU zum Sündenbock geworden ist, da geb ich dir zumindest recht. Die EG/EU hat ihren Mitgliedern eine fantastisch lange Friedensperiode garantiert. Wir sind grossartig zusammengewachsen. Ein Krieg etwa zwischen Deutschland und Frankreich wäre heute ja sowas von abwegig. Wir lernen, wir profitieren voneinander, wir tauschen uns aus. Wir sichern im Grunde gemeinsam unsere Freiheit! Das Problem ist, dass diejenigen, die Rechtspopulisten und damit EU-Gegner wählen, häufig zu wenig wissen.“ „Ich fürchte, es ist schlimmer, Olivia. Viele der Rechtspopulistenwähler sind EU-Gegner aus Gründen, die wenig mit der EU zu tun haben.“ „Was meinst du damit?“ „Bei den Rechtspopulisten sind da zum Beispiel die Männer, die Angst haben um ihre balls …“ „Du meinst, häm, um ihre Eier …“ „ … Sie fühlen sich kastriert durch Frauen, Ausländer und wirtschaftlich Erfolgreiche.“ „Und was ist deiner Ansicht nach mit den Globalisierungsverlierern, die rechtspopulistisch wählen?“ „An deren Misere ist doch die EU nicht schuld. Sondern die Politik der einzelnen Mitgliedsstaaten.“suendenbock2

 

Leseprobe, “Frust…”, Roman, Kapitel XVII, “Kuraufenthalt” — Roses Bücher

XVII Kuraufenthalt „Glauben Sie, Ihre Beschwerden rühren von einer früheren, nicht entdeckten Krankheit her, oder glauben Sie, dass sie berufsbedingt sind?“, fragt mich der Kurarzt über seine goldumrandete Brille hinweg. Er ist ein zierlicher Sechziger, der sich als Kurarzt ein hübsches Zubrot verdient, genauso gut hätte er Finanzdirektor oder Abteilungschef eines Unternehmens sein können. Herr […]

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