Der Irrtum des „Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern“.

Gestern noch einmal den „Leopard“ auf Arte gesehen.

In Lampedusas Roman fasziniert die tolle Sehnsucht nach Prunk und Verfeinerung einer entschwundenen Zivilisation. Aber nicht nur. Lampedusa zeigt die Gefahren einer gesellschaftlichen Umwälzung; wie der Niedergang des sizilianischen Hochadels im 19. Jahrhundert einem Bürgertum Platz machte, das sich seinerseits wieder als brüchig erwies durch das Heraufkommen einer organisierten Massengesellschaft à la Mussolini, Hitler und Stalin.

Der Fürst von Salina verheiratet seinen Neffen Tancredi mit Angelica, der Tochter des neureichen Provinz-Bürgers Don Calógero. Sein Prinzip ist: „Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern.“ Leider funktioniert das Prinzip nicht. Die adlige Welt löst sich auf.

Der Roman hat ungemeine Aktualität. Die Vielen, die heute rechstpopulistisch wählen, meinen ebenfalls, dass sich alles ändern muss, damit sie ihren Status Quo halten können. Ein gefährlicher Prinzipienirrtum.

 

Beeindruckt haben mich, als ich das Buch vor vielen Jahren las, die Formen von Überfluss in dieser verschwundenen Gesellschaft, die Feinheiten im Umgang miteinander und der zuweilen doch rustikale Witz. Ich werde mich immer an die Seiten erinnern, auf der Lampedusa die Unmengen verschiedener, grandioser Dolci beschreibt!

 

„Ein Haus, in dem man alle Räume kennt, ist nicht wert, bewohnt zu werden.“ Giuseppe Tomasi di Lampedusa

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s