Die merkwürdige Welt des „Luna Park 2“. Mini-Leseprobe.

 

Kapitel 14

Die Einladung ins Schloss der Geheimnisse

Der König ging ganz nah an ihnen vorbei, sodass Zaza ein starker Lufthauch streifte, und befahl knapp: „Folgt mir!“

Ohne zu überlegen, folgten sie ihm. Sie gingen den Gang weiter nach hinten, bogen ab und blieben vor der Tür mit der Aufschrift „Zutritt verboten“ stehen.

„Ihr wolltet doch in diesen Raum?“, sagte der König herausfordernd.

Beide sahen betreten vor sich hin.

Der König öffnete die Tür. „Bitte!“

Zaza machte ein jämmerliches Gesicht. Sie fühlte sich schuldig, obwohl sie doch diejenige gewesen war, die gar nicht mehr in den verbotenen Raum gewollt hatte.

In dem Raum war ein großer Flachbildschirm. Und es waren dort Unmengen von DVDs aufgestapelt. Ein bequemer Polstersessel stand vor dem Schirm, und Kopfhörer lagen auf einem Beistelltisch.

Bevor Zaza noch überlegen konnte, dass das Verbotene höchstens auf den DVDs sein konnte, schaltete der König einen Videorekorder an.

Der große Flachbildschirm wurde hell, und dann kam eine ungeheure Überraschung: Sie sahen Kussszenen aus allen möglichen Kinofilmen. Eine an der andern. Paare küssten sich durch die Jahrzehnte hindurch. Sie erkannten Cary Grant und Mae West, Vivien Leigh und Clark Gable, Richard Gere und Julia Roberts, Drew Barrymore und E.T., Leonardo DiCaprio und Kate Winslet, Brad Pitt und Angelina Jolie, Julie Delpy und Ethan Hawke, Justin Bieber und Emma Watson. Es waren so viele, dass einem schwindelig werden konnte. Dann klickte es leise, und der Schirm wurde schwarz.

Zaza und Lorenzo wussten nicht, wie sie reagieren sollten.

Der König lachte bitter. Er zeigte auf die anderen DVDs. „Hier sind die Liebesszenen aller je in eurer Welt gedrehten Filme aufbewahrt.“

„Aber warum?“, brachte Zaza fast gegen ihren Willen heraus. Sie wollte jetzt auf keinen Fall vorlaut erscheinen.

Der König machte ein betrübtes Gesicht. „Ich habe schon Tausende von Stunden hier verbracht und alle diese Küsse und Umarmungen auf mich wirken lassen. Habe jede Kleinigkeit studiert, jedes Zucken der Mundwinkel, jedes Zittern der Hände, jede Schweißperle an den Schläfen.“ Er machte eine ausladende Bewegung mit dem Arm. „Ich verstehe es einfach nicht.“

Zaza und Lorenzo verstanden auch nichts mehr. Was verstand der König nicht? Warum war das ein verbotener Raum?

Zaza kam es auf einmal wie eine Erleuchtung, und sie platzte heraus: „Liebe!“

Der König lachte laut. „Die darf es im Schloss nicht geben.“

„Daher der verbotene Raum.“ Zaza hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen.

„Du hast es erfasst, verehrte Zaza. Die Liebe gibt es in meiner Welt nicht. Ich selbst habe sie nicht und kann sie nicht verstehen. Ich kann sie nicht geben und auch nicht erwidern.“ Der König räusperte sich. „Jetzt habe ich schon zu viel verraten. Und ich verrate euch trotzdem noch mehr. Wer hier etwas mit Liebe zu tun hat, der hat nichts im „Luna Park“ zu suchen. Der gehört nicht hierher.“

Zaza und Lorenzo sahen sich geschwind verstohlen an.

Der König lachte erneut laut. „Ihr seid nur verliebt, das ist es noch nicht.“

Zaza fühlte sich peinlich berührt und wusste nicht, wo sie hinsehen sollte. Ihr Blick fiel auf die Stapel von DVDs. Auf dem Rücken einer dieser DVDs las sie „Caritas“. Sie wusste, es war lateinisch und hatte auch etwas mit Liebe zu tun. Da, es fiel ihr wieder ein: Caritas bedeutete Nächstenliebe.

Dem König war es nicht entgangen. „Es gibt so vieles, das mit Liebe verwechselt wird. Es ist auch deshalb so schwer, zu wissen, was sie ist. Etwa Leidenschaft oder Sex haben, so scheint es, damit nicht viel zu tun.“

Zaza überlegte flüchtig, ob der König wenigstens leidenschaftlich sein konnte oder sogar Sex hatte.

Der König lächelte böse. Es war ein Lächeln, das sich selbst verschluckte, in sich selbst erlosch. Und Zaza erschrak. Dann machte er eine Handbewegung, als wolle er sie beide aus dem Raum scheuchen und verlieh dem noch mit einem Kopfnicken Nachdruck. Zaza und Lorenzo begriffen und schoben sich vorsichtig an ihm vorbei nach draußen.

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Mini-Leseprobe aus „Luna Park 2, Jahrmarkt der Gier“

Mini-Leseprobe aus „Luna Park 2, Jahrmarkt der Gier“

 Kapitel  7

Das Spiel

„Also, Zaza, du bekommst eine Stelle in der Zentralbank Nord. Du wirst Assistentin des Präsidenten.“

Zaza riss die Augen weit auf, brachte kein Wort heraus vor Staunen.

„Brauni“, der König lächelte. Sein Lächeln verschwand aber gleich wieder, so abrupt wie ein Licht, das man ausschaltet. „Brauni, du wirst im selben Gebäude wie Zaza arbeiten. Dort ist auch eine Geschäftsbank untergebracht. Als Anlageberater bekommst du ein eigenes Büro mit Sekretärin.“

„Wow“, entfuhr es Brauni. Er wirkte auf mich so, als sei er stolz auf dieses Angebot.

„Und jetzt zu Dugo.“

Mir lief es kalt über den Rücken, als er mich mit seinen schwarzen Augen fixierte.

„Du wirst Geschäftsführer und Inhaber unserer größten Videothek in „Luna Park Nord“. Wir haben dort Tausende von Filmen aller Sparten. Du kannst das Geschäft auch erweitern, vielleicht noch eine Bibliothek einrichten. Ob du das mit den Einkünften bestreitest oder Kredit aufnimmst, ist deine Sache. Wirtschafte ganz, wie du es für richtig hältst.“

Ich liebe Filme und Bücher. Das war genau der richtige Job für mich. Brunos Anfall von Stolz störte mich jetzt nicht mehr; ich war nicht schlechter weggekommen als er.

Camel rückte nervös auf seinem Sessel hin und her. Endlich kam der König auf ihn zu sprechen. „Ich denke, dir würde es Spaß machen, die Rennbahn 3 in „Luna Park Nord“ zu betreiben. Die Rennwagen dort entsprechen den Rennwagen in deiner Welt. Du hast Lamborghinis, Ferraris, McLarens und so weiter. Sie fahren nur nicht so schnell. Das wäre zu gefährlich. Als Geschäftsführer und Inhaber kannst du mit den Einkünften machen, was du willst: Du kannst sie verbrauchen, ein schönes Leben führen, Häuser kaufen, Feste geben, Freundinnen gewinnen, oder du kannst sie investieren und deine Rennbahn zur größten und schönsten im ganzen Park machen.“

Camel liebte heiße Schlitten und sah schon ganz verzückt vor sich hin.

„Und Sie meinen, Exzellenz, wir könnten das auf Anhieb schaffen, ohne jede Vorbereitung?“, fragte Camel dann aber mit wackliger Stimme. „Wir sind doch erst dreizehn. Haben noch nie gearbeitet.“

„Jeder von euch bekommt einen meiner Bediensteten an seine Seite. Der kann jedwede eurer Fragen beantworten. Nichts wird unklar bleiben. Und: So schwierig sind diese Dinge alle gar nicht. Die meisten Erwachsenen tun nur so, als seien alle diese Jobs kompliziert, weil sie sich damit groß machen wollen, oder weil sie anderen Angst einjagen wollen. Es geht um Macht.“

Brauni nickte. Ihm schien das einzuleuchten. Ich war der Ansicht, dass es auch eine Menge Unfähige gab. Und wir gehörten zu denen. Wir hatten keine, nicht die winzigste Erfahrung. Ich wüsste vielleicht nicht mal, was ich den Bediensteten, der mir helfen musste, fragen sollte.

Zaza musste mich beobachtet und begriffen haben, dass mein Selbstvertrauen zusammenschmolz. Ganz leise sagte sie zu mir: „Wenn ich nicht weiß, was ich tun soll, dann sag ich einfach zu dem Bediensteten: Machen Sie es mal. Ich schau dann zu und versuch zu lernen.“

Ja, so konnte es klappen. Vielleicht funktionierte es auch in der Erwachsenenwelt so. Nannte man das dort nicht „Delegieren“?

„Regelmäßig“, sagte der König laut, um unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen, „findet hier im Schloss ein Briefing statt. Da sehen wir dann mal, wie es bei euch so läuft.“ Sein Lächeln war jetzt leicht hämisch, hatte ich den Eindruck. Während ich überlegte, was „Briefing“ bedeutete, wollte Brauni gerade noch Ananasscheiben auf seinen Teller laden, als der König aufstand und rief: „Es geht los!“

 

Ein paar Seiten später

Zuerst führte der König Zaza und Brauni in Braunis zukünftiges Büro. Brauni staunte über die Größe. Hundert Quadratmeter, eingerichtet in Leder und Chromstahl, ringsum Glaswände mit einer spektakulären Aussicht über den Park. In einem Nebenzimmer arbeiteten zwei Sekretärinnen und Braunis persönlicher Assistent.

Der König tippte Brauni auf die Schulter. „Durch deine Hände wird viel Geld fließen“, sagte er und wollte damit offenbar die Wichtigkeit von Braunis Position betonen. „Deine Kunden sind die Geschäftsleute des „Luna Parks“, die Restaurantbetreiber, Fahrgeschäftsbetreiber, alle, die in „Luna Park Nord“ oder Süd ein Geschäft unterhalten, etwas verkaufen. Du vergibst an sie Kredite und verkaufst ihnen Wertpapiere. Eigentlich brauchst du gar keinen Assistenten, da der Vorstand der Bank dir die Wertpapiere empfehlen wird, die du weiterverkaufst. Je mehr Kredite du vergibst und je mehr Wertpapiere du verkaufst, desto größer dein Erfolg. Du hast ein Grundgehalt von 50 000 Euro monatlich, und jeder erfolgreiche Geschäftsabschluss wird mit einem Bonus belohnt.“

Brauni nickte sachverständig. Es schien ihm alles einzuleuchten. Bei dem Wort „Bonus“ blitzten seine Augen. Brauni setzte sich probeweise in den schwarzen Ledersessel vor seinem Schreibtisch aus Chromstahl und Glas, wippte hin und her, drehte sich im Kreis, lächelte selbstvergessen, bis der König zum Aufbruch aufforderte: „Gehen wir jetzt hoch, in die Zentralbank.“

„Und wann sehen wir mein Haus an?“, fragte Brauni schon leicht enttäuscht. Anscheinend war in ihm eine Art Gier nach mehr erwacht.

„Später“, erwiderte der König knapp.

Der Aufzug in den zwanzigsten Stock brauchte gerade mal fünf Sekunden. Als die Tür aufging, war Zaza so geblendet, das sie unkontrolliert „W-wow, ich bin geflasht!“ herausstotterte. Die Empfangshalle erstrahlte in Silber und Gold.

Der König zeigte Zaza und Brauni zuerst die Direktionsbüros und das Konferenzzimmer. Hier war der Einrichtungsstil schottisch: mit Edelhölzern getäfelte Wände, Vorhänge und Sessel mit Karomuster.

„Die Zentralbank nimmt die obersten fünf Etagen ein“, erklärte der König zu Zaza gewandt. „Das hier ist die Zentralbank Nord. Es gab mal eine Zentralbank Süd. Die haben wir irgendwann geschlossen, als wir in Süd und Nord eine einheitliche Währung eingeführt haben. Die Zentralbank Süd hatte praktisch keine Funktion mehr.“ Der König lachte. „Die einheitliche Währung ist der Euro. Die Zentralbank Nord beeinflusst die Kreditzinsen, zu denen die Geschäftsbanken, also etwa unser lieber Brauni, Kredite vergeben darf. Sie sorgt für Geldstabilität und, und, und. In letzter Zeit tut sie auch einiges Unübliches. Sie greift der Verwaltung Süd oder Nord unter die Arme, indem sie deren Schuldtitel kauft. Manchmal können sich die Verwaltungen einfach nicht genügend Geld von den Bürgern des „Luna Parks“ besorgen, die Titel werden von ihnen nicht gekauft, und auch den Geschäftsbanken kann man nicht beliebig viele davon aufdrängen. Naja, und obendrein macht die Zentralbank nicht nur Geldpolitik, sondern trifft noch ganz andere politische Entscheidungen. Wir haben hier ja kein Parlament. Die Zentralbank ist daher ein bisschen ein Mädchen für alles. Ich will dich nicht langweilen, liebe Zaza. Vielleicht noch auf ein kleines Problemchen aufmerksam machen. Im Süden gab es früher eine andere Währung, den Daikiro. Der war eine schwache Währung und die Zinsen im Süden waren dreimal so hoch wie die im Norden. Es war also teuer, sich Geld zu leihen. Der Norden hatte eine starke Währung, die Eumark, und niedrige Zinsen. Irgendwann setzte der Norden durch, es solle für Nord und Süd nur noch eine Währung geben, den Euro. Der Wirtschaftsraum aus Nord und Süd sollte enger zusammenwachsen. Anfangs blühte der Süden auf. Die Südler konnten auf einmal Kredite für vier Prozent statt für zwölf Prozent aufnehmen. Es kam zu einem Bauboom, neue Geschäfte entstanden. Irgendwann waren aber alle, auch die Verwaltung Süd, die sich um den Straßenunterhalt, die Beleuchtung, die Sicherheit und so weiter kümmert, so hoch verschuldet, dass es nur noch bergab ging. Die Verwaltung Süd hatte sich sogar dazu hinreißen lassen, zehn Achterbahnen zu bestellen, für die es natürlich bei Weitem nicht genügend Kundschaft gab. Sie rosten mittlerweile vor sich hin. Das Geld war ja so billig. Und jeder Kauf war zudem noch mit einem schönen Schmiergeld verbunden, sodass viele Verwalter geradezu kaufwütig wurden und sich ganz nett bereicherten. Diejenigen, die ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen konnten, verloren ihre Häuser und Geschäfte. Und die Verwaltung Süd häufte einen Schuldenberg an, den sie selbst nicht mehr abbauen konnte. Der Süden hatte ja keine Zentralbank mehr, die einfach Geld drucken konnte, um den Verpflichtungen nachzukommen. Und der Süden konnte so auch nicht mehr seine eigene Währung abwerten, um aus dem Schlamassel durch mehr Wettbewerbsfähigkeit wieder rauszukommen. Der Norden wurde hingegen noch wettbewerbsfähiger, da der Euro schwächer war als die alte Eumark des Nordens.“

Zaza hörte aufmerksam zu, verstand aber kaum etwas.

„Ich will jetzt nicht zu ausführlich sein, dich nicht überfordern. Jedenfalls ist zwischen Nord und Süd infolge des gemeinsamen Euros ein erhebliches Gefälle entstanden.“ Der König machte eine kleine Pause. „Und es nimmt weiter zu. Das Geld, das der arme Süden braucht, um seine Schulden zu begleichen, muss ihm jetzt der Norden geben. Der Norden tut dies auch. Unter bestimmten Bedingungen …“

Zaza bemerkte aufgeregt: „Wir waren schon auf dem Weg nach „Luna Park Süd“ und sind auch einer Person begegnet, die bettelte …“

Der König unterbrach Zaza, sein Ton war kalt. „In den Süden solltet ihr nicht gehen, das ist nichts für euch. Dort herrscht nicht nur Armut, sondern auch Kriminalität.“ Der König atmete fast schnaubend aus. „Jetzt zeige ich dir dein Büro.“ Der König öffnete eine Tür gleich neben einer imposanten Doppeltür auf der in Messing eingeprägt stand: „Zentralbankpräsident“.

Zazas Büro war kleiner als Braunis, dabei aber in wärmeren Tönen eingerichtet. Es gab sogar eine rosarote Sofaecke, und der Blick durch die Glasfront war hier oben einfach spektakulär.

Erst jetzt bemerkten Brauni und Zaza beim Hinausschauen wieder dieses Unding: Um den Park zog sich der gigantische Eisenzaun, und dahinter sah man nichts, nur blauen Himmel, blaue Luft.

Der König folgte ihrem Blick. „Es ist wie beim letzten Mal. Hier ist der Park“, er zeigte nach unten, „und außerhalb des Parks“, er machte eine weit ausholende Armbewegung, die einen Halbkreis beschrieb, „gibt es nichts. Wer den Park nicht auf die richtige Art verlässt, landet im Nichts. Aber, aber, was sollen die betretenen Gesichter. Das Spiel hat ja noch nicht einmal angefangen. Und ich versichere euch, ihr werdet großen Spaß haben.“ Der König lächelte und klatschte einmal in die Hände.

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World Sleep Day

Es klingelt. Ich sehe durch den Spion: es ist meine Nachbarin! Ich habe sie schon lange nicht mehr gesehen. Was will sie?! Moment …  Sie ruft: „Happy World Sleep Day!“  Ich rolle sofort wieder von der Tür weg. Und schlafe die nächste Runde.

von der Tür weg

Die Wahlen

“Olivia, willst du meine Kurzmeinung zu den Landtagswahlen hören?” “Garfield, lass mich bitte schlafen.” Dauert nicht lange. “Gewonnen hat die Merkel aus Sicht der Merkel.” “Garfield!” “Sie hat ihr Ziel erreicht. Sie hat die SPD erledigt.” “Uff.” “Kretschmann hat schlicht gewonnen. Der Mann gefällt mir ehrlich gesagt mehr als das Schlaule Wolf. Kretschmann wirkt altmodisch rechtschaffen. Kann aber noch enthronisiert werden. Dreyer ist eine Gewinnerin, alleine auf weiter Flur. Eine sehr bescheidene Gewinnerin ist die FDP, sie hat zum Glück wieder etwas zugelegt. Gemässigte Regierungskoalitionen sind auf einmal auf die Grünen angewiesen und werden statt zu zweit zu dritt sein. Hoch gefährlich sind die riesigen AfD-Gewinne. Die Bürger haben Protest-gewählt.” “Und was kann man gegen die AfD tun?” “SPD-Oppermann hat nen netten Vorschlag gemacht: Die CSU sollte im gesamten Bundesgebiet wählbar sein, um der AfD das Wasser abzugraben.” “Oppermann fände die CSU hilfreich und Kretschmann war einer der wenigen ehrlichen Verfechter Merkels. Wir haben ein interessantes Durcheinander.“ „Ein Durcheinander kann ungemein gefährlich sein. Die AfD hat die demokratische Parteienlandschaft durcheinander gebracht. Die grossen gemässigten Parteien schrumpfen, das ist als ob ein demokratisches Machtvakuum entsteht. Ein Nährboden für Extremismus.

Der türkische Plan

Figur2Garfield politisiert jetzt auch noch beim Abendessen. Er gibt keine Ruhe. „Olivia! Weisst du überhaupt, worum’s in dem türkischen Plan geht?“ Ich schlucke meine Spaghetti. „Der türkische Ministerpräsident Davutoglu hat sich bereit erklärt, Flüchtlinge aus Griechenland zurückzunehmen. Dafür soll die EU genauso so viele Syrer direkt aus der Türkei aufnehmen und auf die einzelnen Mitgliedstaaten verteilen. Der Plan ist human und intelligent, auch wenn er zunächst wie ein Nullsummenspiel aussieht.“ „Aber der Plan hat ein Problem!“ „Und?“ „Er ist im Kanzleramt ausgedacht worden.“ „Hm.“ „So funktioniert’s nicht. Europa ist nicht dafür gedacht, dass ein Land diktiert und die andern vor vollendete Tatsachen stellt. Möchtest du ein wichtiges Thema zur europäischen Politik machen, dann musst du vorher bei allen den Konsens suchen.“ „Hm. Wenn nur nicht die Zeit davonliefe.“

Ubi bene ibi patria

Katze lächelnd 2Garfield verschluckt sich beinahe am Morgenkaffee, prustet. „Weisst du, was die neue Politik ist?“ Mich erwischen Spucketröpfchen an der Backe. „Nichtstun! Sie warten, dass sich die Dinge von alleine erledigen.“ „Wer? Was?“ „Merkel tut nichts und lässt die andern die Grenzen schliessen. Obama tut nichts und lässt Syrien auf eine Zwei-Staaten-Lösung zudriften, ein Teil Assad, der andere Teil, wer weiss? Vielleicht werden es auch Teile?“ „So wenig tut Merkel auch wieder nicht. Heute Abend trifft sie den türkischen Premier, die Türkei soll der EU helfen, den Flüchtlingsstrom einzudämmen. Und macht ja bereits einige Zugeständnisse. Und morgen ist der EU-Gipfel.“ „Du glaubst doch nicht im Ernst, dass es da eine europäische Antwort gibt, was die Verteilung der Flüchtlinge auf Mitgliedsstaaten angeht.“ „Uff.“ „Manchmal denke ich, Olivia, das Römische Reich war in Sachen Migrationspolitik dem heutigen Europa überlegen. 212 n. Chr. hat Kaiser Marcus Aurelius Severus Antoninus (genannt Caracalla) per Dekret allen „Fremden“, die im Reich sind, einfach ad hoc das römische Bürgerrecht verliehen.“ „Naja,  oppositionelle Kreise waren damals der Meinung, die Ausdehnung des Bürgerrechts habe vor allem den Zweck gehabt, die Betroffenen verschiedenen Steuern zu unterwerfen, die nur von römischen Bürgern zu bezahlen waren.“ „Trotzdem, er hat’s riskiert. Und die Eingebürgerten kamen auch in den Genuss grosser Vorteile. Die hatten dann den Wahlspruch: Ubi bene ibi patria. Wo es mir gut geht, da ist meine Heimat. Und sie waren Rom treu.“

 

Kein Kuss

Kein Kuss3

Soll man nach jahrelangem Schlummer in der Schublade noch einen Roman herausgeben, den niemand wollte? Warum nicht.

Kein Kuss.

Bring ich mich einfach um, wenn mein Leben am Alter scheitert?

Achtzig Jahre alt ist die Dame, die allein in ihrer Wohnung lebt und außer dem Fernseher keinen Freund mehr hat. Sie blättert in alten Briefen, die ihr früherer Bekannter, der berühmte Regisseur Angelotti ihr schrieb – Briefe, in denen er ihr wie einer guten Freundin von seinen Eskapaden berichtet, mit denen er sich selbst wieder und wieder das pralle Leben beweisen will. Während die Frau zusehends altert und kaum noch ihren Haushalt schafft, scheinen Angelottis Briefe direkt aus der Hölle zu kommen.

„… einzigartig unverblümt, provokant, brutal …“ (Zeitungskritik)

 

 

Eine humanitäre Geste

Katze lächelnd 2Garfield spricht schon, bevor ich noch am Kaffeetisch sitze. „Hast du schon gehört. Soundsoviele Flüchtlinge fliegen schon wieder zurück, weil sie so mies untergebracht sind und für unabsehbare Zeit rumhängen müssen, ohne arbeiten zu dürfen.“ Ich schlafe noch halb. „Lade ich jemanden zu mir ein und sag ihm dann, du musst leider draussen im Zelt übernachten? Hä?“ „N-nö.“ „Weisst du, es ist schade. Jetzt ist bei den Deutschen zum ersten Mal eine grosse humanitäre Geste gelaufen, die die Welt zum ersten Mal denken lässt: das ist ein neues Deutschland, dieses Land hat sich meilenweit von der Nazi-Vergangenheit entfernt. Zum ersten Mal haben die Deutschen im Ausland so etwas wie Sympathie. Das ist ein historischer Moment. Und jetzt verscherzen sie es vielleicht wieder.“ Ich wache nun doch auf. „Der deutsche Staat hat den blöden Ehrgeiz, weiter zu sparen und spart dort, wo kaum mehr gespart werden kann. Die Flüchtlinge dürfen nicht zuviel kosten …“ „Und was schlägst du vor?“ „In so einem Fall muss man doch drauf dringen, die Budgetdefizitgrenzen in der EU zu erweitern. Die Länder, die helfen, dürfen mehr Schulden machen. Das ist schliesslich eine Notsituation.“

Auf was warten die noch?

Figur2Garfield muss sich jeden Morgen  beim Frühstück echauffieren. „Die Eu skandalisiert sich, dass die Türkei Zehntausende der Aleppo-Flüchtlinge vor ihren Grenzen quasi erfrieren lässt. Und jetzt kommt raus, dass die EU von den drei Milliarden, mit denen sie die Türkei in der Flüchtlingskrise unterstützen wollte, noch keinen Cent gezahlt hat.“ Es ist so früh am Morgen, ich bin noch nicht so richtig aufgewacht, und dann gleich diese dramatischen Themen … Ich brumme nur „Hrmpf.“ „In der Türkei sind schon 2,5 Millionen syrische Flüchtlinge, darunter 1,2 Millionen Minderjährige, das stellt so’n vom Brüssler EU-Verbindungsbüro für den Bundestag angefertigter Bericht fest. Allein zwischen Oktober 2015 und Mitte Januar 2016 ist in der Türkei die Zahl neu registrierter Flüchtlinge um 300.000 gestiegen! Das gibt die EU-Kommission selber an.  Ja auf was warten die noch??? Olivia!“ „Ja …“ „Olivia, das hatten wir doch schon mal.“ „Hm?“ „So fing die Flüchtlingswelle an, nach Europa überzuschwappen: Es gab plötzlich keine Uno-Hilfsgelder mehr für die Flüchtlingscamps an den syrischen Grenzen. Die internationale Gemeinschaft hat einfach nicht mehr gezahlt! Was haben die sich nur dabei gedacht???!“

Leben als Comicfigur

August2015-2 - KopieZum Karneval kostümiere ich mich als Comic-Figur. Und erhole mich ein bisschen in einer weniger-dimensionalen, in einer Flachwelt. Dort ist alles simpler. Angenommen, du lebst nur auf 2 Dimensionen, auf einem flachen Blatt, dann würdest du eine Kugel mit ihren 3 Dimensionen, die dein Blatt durchquert, nur als flache Kreise unterschiedlicher Durchmesser wahrnehmen. Erholsam …©PENGART.COM

 

 

Alternde Filme – alternde Gefühle

Bertolucci Gefühl und VerführungGestern Abend sah ich im Fernsehen noch einmal „Gefühl und Verführung“ von Bertolucci. Der Film ist von 1996, und ich fand ihn damals langweilig. Scontato. Nicht nur, weil er mehr Atmosphäre als Handlung hat. Gestern hat er mich gerührt. Ein junges Mädchen möchte endlich ihre Jungfräulichkeit verlieren und verzweifelt beinahe an dem Fehlen von Liebe und Zärtlichkeit (wenigstens nicht von Schönheit) in ihrer Umgebung. Alle um sie herum gehen primär Sexuellem nach, und sie sucht die wahre Liebe. Beinahe gerät sie an den Falschen, der sich jeden Tag an eine andere heranmacht. Und dann findet sie doch noch den schüchternen, respektvollen, sie liebenden jungen Mann. Der ihr dann gesteht: „Für mich war es auch das erste Mal.“ Nicht nur die Filme altern.

Herzlichen Glückwunsch

Groundhog dayIm Treppenhaus ruft mir meine Nachbarin laut: „Herzlichen Glückwunsch!“ zu. Habe ich heute Geburtstag? Nein … Dann ruft sie: „Herzlichen Glückwunsch einen Tag verspätet!“ Hatte ich gestern Geburtstag? Unsinn… Ich starre sie an mit offenem Mund. Mein Gehirn rast: Hat sie etwas über mich in einer Zeitung gelesen …? Hat jemand eins meiner Bücher rezensiert …?  Habe ich etwas gewonnen? Was …? „Herzlichen Glückwunsch zum groundhogs day!“

Gras ist über die Sache gewachsen

Gras darüber gewachsenLetztes Jahr verliess ich ein Kaffeekränzchen, weil ich angegriffen wurde. Ich hatte mich böse in der Wortwahl vergriffen. Ich sprach von meinem Beruf. „Du kannst doch nicht behaupten, dass du einen Beruf ausübst, wenn du nichts verdienst.“ „Schlimmer, sie verdient nicht nur nichts, sie gibt sogar noch Geld aus für ihre Schreiberei.“ „Genau, das ist kein Beruf. Das ist ein Hobby.“ „Es ist sogar ein Luxus! Ja, die Olivia nimmt sich da einen Luxus raus …“ … Heute ging ich nochmals zu dem Ort zurück, den ich damals so überstürzt verlassen hatte. Und es sieht so aus, als wachse langsam Gras über die Sache. Ich verdiene jetzt 23 Euro, 12 Cent im Monat. Mit meinen Büchern.

 

Der Club der Dilettanten

Langsam habe ich mich an Garfield gewöhnt. Ich lasse ihn einfach reden. „Grade sagt die Merkel, dass die Flüchtlinge wieder in ihr Land zurück sollen, sobald dort nicht mehr gekämpft wird. Hallo! Olivia hörst du zu?“ „Hrmpf.“ „Zuerst sollten die Flüchtlinge hier bleiben, integriert werden, in die immer schwächer dotierten Rentensysteme einzahlen. Zuerst sollten die Familien nachkommen … Und jetzt ist wieder alles anders. Olivia …!“ „Hrm, ja.“ „Ich versteh’s nicht. Auch das versteh ich nicht: Wenn ein Schiff sinkt, heisst es immer: Frauen und Kinder zuerst. Bei uns haben zuerst eine Menge  junger Männer Aufnahme gefunden, und die Frauen und Kinder, die lässt man ruhig in der prekären Situation zurück.“ „Hm.“ „Zuerst heisst du alle willkommen mit einer grossen menschlichen Geste. Und dann werden Flüchtlingsheime angezündet.“ „Hm.“ „Die deutsche Politik hat ja nicht nur Süd-Europa kaputt gespart. Irrwitzig gespart hat sie auch im eigenen Land. Da sind doch ganze Schichten abgesackt und sehen nicht ein, dass für die Flüchtlinge sofort und viel ausgegeben werden muss. Und ein paar von denen radikalisieren sich.“ Ich hab dann dummerweise zu Garfield gesagt: „Und was würdest du vorschlagen?“ „Wenn du Assad nicht loswerden kannst, weil ihn zu viele stützen, dann könnte die Assad-Opposition gemeinsam mit ihren Verbündeten einen zweiten syrischen Staat gründen, und in diesen Staat könnten dann die Geflohenen wieder zurück und gegebenenfalls für ihren neuen Staat kämpfen.“ „Wie soll das gehen!? Die Opposition ist doch in sich konterkarierende Gruppen zersplittert. Das ist doch kein Schachspiel, bei dem du menschliche Figuren einfach herum schiebst und opferst? Und auch wenn es irgendwie ginge, dann herrscht dort weiterhin Krieg.“ Garfield bekommt ganz dicke Backen vor Aufregung: „Ja meinst du denn, die Syrer wollen hier im Norden bleiben?! Die kotzt hier doch bereits alles an! Die wollen vor allem eins: Wieder nach Hause!“ Wir haben uns schliesslich darauf geeinigt, dass das Ganze eine verfahrene Scheisssituation ist und nur Vernunft und Menschlichkeit alles zum Guten ordnen könnten …  Leserin

Luna Park 2

Hecke Luna ParkIch schneide gerade die Hecken für Luna Park 2.

Der Süd-Euro

Garfield Zeitung lesendGarfield zieht erst wieder bei mir aus, wenn er in einem neuen Film spielt. Und er lässt sich nur engagieren, wenn sie für ihn ein hübsches Katzenweibchen ins Drehbuch schreiben. Einstweilen geht er mir mit seinem Politikgeschwätz weiter auf die Nerven. Garfield sorgt sich immer mehr um Europa. „Weisst du, wer Europa zum Scheitern bringen wird?“ „Hm, vielleicht treten die Briten demnächst aus.“ „Nein …“  „Dann versuchen die Griechen nochmal, aus dem Euro rauszukommen.“ „Versuchen’s vielleicht nochmal, aber knicken unter dem Druck wieder ein …, daher nein.“ „Hm, du machst mich neugierig. Wer soll sonst …?“ Garfield lässt mich nicht ausreden, ruft laut: „Die Deutschen!“ „W-was? Unsinn. Die Deutschen profitieren doch am meisten wirtschaftlich von Europa.“ „Sie werden so viele Flüchtlinge aufnehmen, dass enorme Kosten entstehen. Da sie im Euro sind, können sie nicht einfach Geld drucken, um die Kosten zu bewältigen. Sie kommen in dieselbe Situation wie Griechenland. Sie müssen in einer prekären Situation sparen. Sie kommen unter dasselbe Spardiktat, das den europäischen Süden kaputt gespart hat. Wenn der gesellschaftliche Unmut bei den Deutschen dann gefährlich steigt, müssen sie aus dem Euro raus. Und sie können raus. Ein mächtiges Euro-Mitglied schert sich weniger um den Druck, den die andern auf es ausüben, damit es im Club bleibt. Das kann der Anfang vom Ende sein.“ „Hm, Garfield, du hast abwegige Ansichten …“

Zimmerpflanze

Ich überlege, ob ich mich nicht in eine Pflanze verwandeln soll? Ich stünde ruhig verwurzelt an einem Ort. Und sonst nichts.waiting

Zu viel Schlaf

„Was tut ein Autor überhaupt?“, fragt mich meine Nachbarin, als ich gerade den Müll raus trage. Eine zweite Nachbarin gesellt sich dazu: „Du hast doch erzählt, du schläfst so viel, Olivia …“  „Ja, ja sie schläft den ganzen Tag …“ „Du schläfst sicher auch beim Schreiben …“ Ich habe den Verdacht, sie haben mich mit meiner Katze verwechselt.

Katze auf PC schlafend

 

Das geheime Leben der Pflanzen

2016-01-09 15.33.27Ich komme zur Haustüre herein und treffe als erstes auf meine Nachbarin. „Wo warst du denn die ganze Zeit?“ „Hrm. In Urlaub.“ „Du? Du hast doch keinen Urlaub …“  „Äh … Wieso nicht?“ Sie wurde lauter: „Du bist doch das ganze Jahr im Urlaub!“ „Ach so,“ sagte ich nur und erstarrte zum Kaktus.

Es geht noch schlimmer

Neujahrs PartyAls Rezept gegen jegliche Unzufriedenheit verordne ich mir künftig die Einstellung: Es könnte schlimmer sein. Old-spinster’s-Sylvester war also nicht sooo schlimm. Im Gegenteil.

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