Ein frommer Wunsch?

„Was überlegst du, Garfield? Du hast dein Frühstück noch nicht mal angerührt.“ „Impeachment-Überlegungen.“ „Die Russland-Connection?“ „Sollte Trump Wahlhilfe bekommen haben, dann sicher nicht so, dass er bald wieder aus dem Amt fliegt.“ „Du meinst, Russlandkontakte im Hinblick auf die Wahl werden ihm wohl nicht nachgewiesen werden können.“ „Manche meinen, es könnte wie bei Al Capone gehen.“ „?“ „Al Capone konnte kein gravierendes Mafia-Verbrechen nachgewiesen werden, kein Mord, aber sie kriegten ihn wegen Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Geldwäsche und verurteilten ihn 1931  zu elf Jahren Knast.“ „Hm.“ „Wenn Trump nicht nachgewiesen werden kann, dass er mit Russland unter einer Decke steckt, dann könnte er zumindest wegen Justizbehinderung fliegen, als er FBI-Comey gebeten hat, die Ermittlungen wegen der Russland-Kontakte von Flynn einzustellen. Comey war anscheinend so „entsetzt“, dass er den Inhalt des Gesprächs in einem Memo festgehalten hat.“  „Hm, dann gäbe es kein Impeachment wegen Wahlfälschung, Vorteilsannahme und womöglich Landesverrats, sondern „nur“ wegen Justizbehinderung…?“ „Es könnte allerdings gut sein, dass Trump russische Wahlhilfe bekommen hat, aber nichts davon wusste.“ „Und die Justizbehinderung?“ „Es kommt darauf an, was Comey noch aussagen wird. Trump soll zu Comey gesagt haben: Ich hoffe, Sie können das fallenlassen. Angenommen Comey bestätigt solcherlei, dann ist die Frage, wie legen sie das aus? Als Drohung oder als frommen Wunsch …„ „Du machst Witze…“

Wide World Photos, Chicago Bureau (Federal Bureau of Investigation)

Rätsel Comey

„Was meinst du zu Comey, Olivia?“ „Hm, Comey ist für mich ein Rätsel geblieben. Warum hat er kurz vor der Wahl Clintons E-Mail-Affäre wieder hochkochen lassen? Er hat damit wahrscheinlich die Wahl entschieden. Was sagst du, Garfield. Du hast sicher wieder ne gewagte Ansicht.“ „Ich blick auch nicht richtig hinter Comey. Zumindest gibt es zwei Möglichkeiten.“ „Aha?“ „Entweder ist Comey ein unabhängiger, überpflichtbewusster Beamter und bringt etwas heraus, sobald genügend Recherchematerial da ist, ungeachtet des politisch günstigen oder ungünstigen Zeitpunkts.“ „Oder?“ „Oder er dient anderen Interessen.“ „Und was sollen das für Interessen sein, wenn er einmal gegen Clinton agiert hat und jetzt, wie es den Anschein hat, gegen Trump loslegen wollte?“ „Er ist von denen, deren Interessen er geschadet hat, so unter Druck gesetzt worden, dass er auf einmal gegenteilige Interessen vertreten musste.“ „Hm. Hältst du das für wahrscheinlich?“ „Ich tippe mal darauf, dass Comey eher der unabhängige, übereifrige Typus ist.“

 

Zur Erinnerung:

Zum Abschluss von FBI-Ermittlungen zur E-Mail-Affäre Hillary Clintons bescheinigte Comey ihr im Juli 2016 extreme Sorglosigkeit, empfahl aber keine Anklage.

Kurz vor der Wahl teilte Comey mit, neue E-Mails Clintons seien womöglich bedeutend für die eigentlich abgeschlossene Untersuchung.

Zwei Tage vor der Wahl sagte Comey, die Prüfung habe nichts Neues ergeben. Das kam aus Sicht des Clinton-Lagers zu spät.

Zuletzt hatte Comey wegen der bestätigten Ermittlungen des FBI zu Verbindungen des Trump-Teams nach Russland neuerlich Schlagzeilen gemacht.

(Quelle WZ)

 

 

„In der Vielzahl der Berater liegt die Sicherheit“ JFK

„Hat Trump eigentlich juristische Beratung?“ „Du meinst, er hat keine oder er nimmt sie nicht in Anspruch, Garfield?“ „Trump will nicht nur, dass die Deutschen aufrüsten, sondern dass sie auch dafür zahlen, dass sie in der Vergangenheit nicht genug fürs Militär ausgegeben haben. Trump rechnet da Summen auf, die sich daraus ergeben, dass Deutschland seit der ersten NATO-Selbstverpflichtung im Jahr 2002 unter dem Zwei-Prozent-Ziel blieb. Die NATO-Verträge sehen so etwas aber nicht vor. Es gibt keine Anspruchsgrundlage. Davon, dass kein NATO-Partner wollte, dass Deutschland groß aufrüstet, ganz zu schweigen …“ „Du meinst, Trump lebt nach wie vor in der Welt der Deals, in der alles verhandelbar ist?“ „Sieht so aus, Olivia. In der Welt des Geschäfts, in der du auch mal durchkommst, wenn du dich nicht an die Regeln hältst.“

 Bildergebnis für Trump und schlechte Berater cartoons

 

Germany second?

„Worüber hat kaum jemand berichtet, als Trump seine Pressekonferenz gab? Na. Olivia?“ „?“ „Über die Steuerreform, die er im März vorlegen will.“ „Hm. Wichtiges Thema … In erster Linie werden wohl Unternehmen profitieren.“ „Wobei dann in zweiter Linie wieder mehr Arbeitsplätze ins Land kommen.“ „Da fällt mir auf, Garfield, dass auch kaum jemand darüber berichtet hat, wieviele Investitionszusagen Trump in den letzten drei Wochen an Land gezogen hat.“ „Ein paar hundert Milliarden. Japan will allein 400 Milliarden in die amerikanische Infrastruktur investieren, Fiat-Chrysler will investieren, um nur zwei zu nennen, eine Menge europäischer, asiatischer und auch amerikanischer Unternehmen scharren schon mit den Füssen …“ „Und wer tut was für uns?“ „Gestern hab ich gehört, Schulz will etwas gegen die Zeitarbeit tun. Das klappt am besten, wenn mehr Arbeitsplätze entstehen. Er müsste dann ebenfalls einen tieferen Unternehmenssteuersatz vorschlagen.“ „Geht das überhaupt in Europa?“ „Klar. Schau dir Irland an. Deren Körperschaftssteuersatz liegt bei 12,5 %!“germany-second-2

„I have inherited a mess.“

„Es hat sich gelohnt Trumps Pressekonferenz anzusehen.“ „Findest du, Garfield?“ „I have inherited a mess: So ist das, wenn man einen Staat übernimmt. Wenn du an einen Staat, egal an welchen, die Anforderungen einer ordentlichen Unternehmensführung stellst, dann stellst du fest, dass das Gebilde schon vor Urzeiten bankrott war und eigentlich gar nicht mehr bestehen dürfte.“ „Und das findest du lustig?“ „Im Gegenteil. Ich finde es traurig, dass die politischen Eliten so ineffizient wirtschaften. Wir leben in einer modernen Zeit. In der wird es immer weniger verständlich, wenn die Politik Zeit mit Machtspielchen verliert, statt dem eigentlichen Souverän, uns Bürgern, zu dienen. Der moderne Staat muss den Bürger beservicen, und das möglichst günstig (keine zu hohen Steuern).“ „Links, rechts, Ideologien wären dann out.“ „Es sei denn, sie bieten Rezepte, die Dienstleistungen des Staats für seine Bürger zu verbessern.“garfield-auf-dem-empire-state

Ein neuer Regierungsstil

„Sagtest du gerade, an Trump gibt es nicht nur Schlechtes, Garfield?“ „Lassen wir mal die Inhalte seiner Politik beiseite. Er tut sofort, was er verspricht, setzt blitzschnell die Dinge um. Da erscheinen doch andere Staatschefs im Vergleich als lahme Enten.“ „Und was noch?“ „Es gibt bei Donald Trump einen sehr direkten Bezug zwischen Bürgern und der Spitze der Regierung. Er lädt Unternehmer, Gewerkschaftsbosse usw. ein, und die sagen ihm, was nicht klappt. Entsprechend versucht er, die Regeln zu ändern. Oder, jeder kann ihm auf Twitter folgen und sehen, was er denkt und was er als Nächstes tut. Für andere demokratische Regierungen, etwa bei uns in Europa, sind die Bürger im politischen Geschäft eher lästig, die Politik ist viel zu viel mit sich selbst beschäftigt, dabei sind die Bürger doch der Souverän.“ „Und meinst du, andere Regierungschefs stehen bereits unter Druck, dem Bürger effizienter zu dienen?“ „Martin Schulz hat gestern in seiner Rede im Willy-Brandt-Haus das Modell schon übernommen, als er sagte, die Politik müsse mehr den Bürgern dienen, statt sich in ewigen Streitereien zu verlieren.“donald-trump-martin-schulz

Der erste Zusammenprall

 

trump-und-de-nieto„Garfield, du siehst besorgt aus.“ „Es ist zwar erfrischend, wenn du einen Staat mit derselben Effizienz wie ein Unternehmen führst. Nur in der Aussenpolitik klappt das nicht. Die anderen Länder sind keine Konkurrenzunternehmen, die du über den Tisch ziehen kannst.“ „Du meinst, Trump will Mexiko über den Tisch ziehen.“ „Ich befürchte, er wollte anfangs versuchen, Mexiko zuerst die Mauer zahlen zu lassen unter Versprechungen wie etwa nichts Wesentliches an NAFTA zu ändern und dann hätte er später trotzdem NAFTA zugunsten der USA nachverhandelt.“ „De Nieto muss es gerochen haben. Er hat gleich abgelehnt. Trump hat dann angedroht, die Mauer werde Mexiko über Importzölle zahlen müssen. De Nieto hat gut pariert, er will nun NAFTA einfach aufkündigen, dann ist Mexiko wieder in einer stärkeren Verhandlungsposition … Du machst aber ein düsteres Gesicht.“ „Weil es um viel mehr geht als den Mexiko-Clash … Wenn du Trump nicht trauen kannst, kannst du Amerika nicht mehr trauen.“

 

„Der Staat gegen Fritz Bauer“ oder „Man darf sich der Tyrannei nie beugen“

Film über die Jagd auf Eichmann

Gestern auf Sky den tollen Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ gesehen. Es geht um jene Jahre im Leben des Generalstaatsanwalts Fritz Bauer, in denen er half, Eichmann in Argentinien zu verhaften. Bauer hatte kein Vertrauen in die deutsche Justiz, in der zu viele Juristen aus der Nazi-Zeit überdauert hatten. Also arbeitete er mit dem israelischen Geheimdienst zusammen. Eichmann wurde geschnappt. Und auch wenn Bauer nicht die Auslieferung an Deutschland erreichte, so konnte er in Deutschland die Anklage des Personals von Auschwitz vorantreiben. Ab 1963 kamen die Täter in Frankfurt vor Gericht – und Bauer sorgte dafür, dass das Land sich damit auseinandersetzte.

Ein Satz hat mich besonders berührt: „Man darf sich der Tyrannei nie beugen“.

"Der Staat gegen Fritz Bauer" von Lars Kraume ab sofort im Kino

Der Sündenbock EU und die Kastrierten

„Die EU ist zum Sündenbock geworden für die Verlierer der Globalisierung. Und das sind mittlerweile grosse Teile der europäischen Gesellschaft. Dabei haben die Mitgliedsstaaten Mist gebaut. Angefangen mit Merkel, die federführend im Kaputtsparen der EU-Staaten war und dann noch die Ängste der britischen EU-Gegner befeuert hat mit einer unkontrollierten Zuwanderung im grossen Massstab. Vom Fehlkonstrukt des Euro gar nicht zu reden.“ „Garfield! Langsam, langsam. Dass die EU zum Sündenbock geworden ist, da geb ich dir zumindest recht. Die EG/EU hat ihren Mitgliedern eine fantastisch lange Friedensperiode garantiert. Wir sind grossartig zusammengewachsen. Ein Krieg etwa zwischen Deutschland und Frankreich wäre heute ja sowas von abwegig. Wir lernen, wir profitieren voneinander, wir tauschen uns aus. Wir sichern im Grunde gemeinsam unsere Freiheit! Das Problem ist, dass diejenigen, die Rechtspopulisten und damit EU-Gegner wählen, häufig zu wenig wissen.“ „Ich fürchte, es ist schlimmer, Olivia. Viele der Rechtspopulistenwähler sind EU-Gegner aus Gründen, die wenig mit der EU zu tun haben.“ „Was meinst du damit?“ „Bei den Rechtspopulisten sind da zum Beispiel die Männer, die Angst haben um ihre balls …“ „Du meinst, häm, um ihre Eier …“ „ … Sie fühlen sich kastriert durch Frauen, Ausländer und wirtschaftlich Erfolgreiche.“ „Und was ist deiner Ansicht nach mit den Globalisierungsverlierern, die rechtspopulistisch wählen?“ „An deren Misere ist doch die EU nicht schuld. Sondern die Politik der einzelnen Mitgliedsstaaten.“suendenbock2

 

Leseprobe, “Frust…”, Roman, Kapitel XVII, “Kuraufenthalt” — Roses Bücher

XVII Kuraufenthalt „Glauben Sie, Ihre Beschwerden rühren von einer früheren, nicht entdeckten Krankheit her, oder glauben Sie, dass sie berufsbedingt sind?“, fragt mich der Kurarzt über seine goldumrandete Brille hinweg. Er ist ein zierlicher Sechziger, der sich als Kurarzt ein hübsches Zubrot verdient, genauso gut hätte er Finanzdirektor oder Abteilungschef eines Unternehmens sein können. Herr […]

über Leseprobe, “Frust…”, Roman, Kapitel XVII, “Kuraufenthalt” — Roses Bücher

Brexit Congestion

„Hast du gehört, Garfield, dass die Briten jetzt fünf bis sechs Jahre Zeit wollen für den Brexit?“ „Ich glaube, der Brexit wird zu schwierig. Die Briten kommen aus der EU gar nicht mehr raus. Wenn du bedenkst, wieviele Verträge sie neu aushandeln müssen, nicht nur mit den Mitgliedern auch mit den vielen Nichtmitgliedern. Die EU hat mit ihrer riesigen Verwaltung und unterstützt durch die Verwaltungen der Mitglieder dafür Jahrzehnte gebraucht.“ „Hm, und dann noch die unzähligen EU-Normen, die in Jahrzehnten Recht der Mitgliedsstaaten geworden sind. Was ist mit denen? Soll der britische Gesetzgeber die alle überprüfen, um sie gegebenenfalls abzuändern oder zu kassieren?“ „Einem einzelnen Land fehlen einfach die Heerscharen von Fachbeamten, die es braucht. Nimm nur mal die bilateralen Verträge mit der Schweiz. Wenn du das alles neu verhandeln musst. Dann bist du am … Ich zähl mal die Materien auf. Sag Stop, wenn ich dich langweile:

Landverkehr (schrittweise Öffnung der Märkte für Straßen- und Schienenverkehr),

Luftverkehr (schrittweise Gewährung von Zugangsrechten zu den gegenseitigen Luftverkehrsmärkten für Fluggesellschaften),

Personenfreizügigkeit (schrittweise Öffnung der Arbeitsmärkte),

Landwirtschaft (Vereinfachung des Handels mit Agrarprodukten durch Zollabbau und gegenseitiger Anerkennung der Gleichwertigkeit der Vorschriften),

Technische Handelshemmnisse (Vereinfachung der Produktezulassung),

Öffentliches Beschaffungswesen (Ausweitung der Ausschreibungspflicht für Beschaffungen oder Bauten des Staates und öffentlicher Unternehmen),

Forschung (Beteiligungsmöglichkeit für Schweizer Forschende an EU-Forschungsprogrammen),

Zusammenarbeit bei Polizei und Justiz, Asyl und Migration (Schengen/Dublin),

Zinsbesteuerung,

Betrugsbekämpfung,

Verarbeitete Landwirtschaftsprodukte,

Umwelt,

Statistik,

MEDIA,

Ruhegehälter,

Bildung/Berufsbildung/Jugend, …

Olivia! Olivia?“

„Zzzzzzzzzzzzzz ……, schrch ………………….“

microlax

 

Links ist das neue Rechts

zapata
Zapata

„Es ist verwirrend, Olivia.“ “Was, Garfield?“ „Du kannst die extrem Linken und die Rechtspopulisten kaum mehr auseinanderhalten.“ „Hm.“ „Die Rechtspopulisten sind alle Globalisierungsgegner. Das waren aber zuerst die Linken. Globalisierungskritik war ursprünglich Kapitalismuskritik, war der Kampf gegen den Neoliberalismus.“ „Und das findest du verwirrend.“ „Tja, Trump teilt die Ansichten der linken Rebellenbewegung der Zapatistas. Die Zapatistas kämpften bereits 1994 gegen das Nordamerikanische Freihandelsabkommens (NAFTA). Trump tut dasselbe heute.“ „Naja, das ist gerade mal ein Punkt der Übereinstimmung.“ „Die Rechtspopulisten sprechen dieselbe Wählerschaft an wie die Linken, die Verlierer der Globalisierung, die Arbeiter und die untere Mittelschicht.“ „Und dann senken sie die Unternehmenssteuern.“ „Das hängen sie aber nicht an die große Glocke. Sie brauchen die Stimmen der Vielen.“ „Die Rechtspopulisten wollen den Zuzug von Ausländern drastisch beschränken. Die Linken am liebsten auch.“ „Hm, und was willst du damit sagen.“ „Die Grenzen weichen auf. Auch bei den Gemäßigten. Früher waren die Grünen links, heute sind sie die neuen Freunde der Autoindustrie und flirten mit der Kanzlerin. Die SPD und die CDU sind in der Koalition quasi verschmolzen … Ich bin einfach verwirrt.“

 

 

What you see is what you get?

 

„Laut dpa und sda hat Putin Trump einen partnerschaftlichen Dialog angeboten. Die Grundlage dafür sei die Nicht-Einmischung in die jeweiligen internen Angelegenheiten. Was hältst du davon, Olivia?“ „Hm, ich frage mich, was Putin mit internen Angelegenheiten meint.“ „Du stellst dir langsam dieselben Fragen wie ich. Umfassen interne Angelegenheiten die gesamte ehemalige Sowjetunion? Und dann noch den ehemaligen sowjetischen Einflussbereich? Dann gehört bizarrerweise auch noch Deutschland dazu …“ „Das muss Trump herausfinden. Da ist er nicht zu beneiden. Putin wird ihn im Unklaren lassen. Bis er Tatsachen schaffen kann.“ „Trump wird schlecht mit der Hoffnung leben können, die internen Angelegenheiten seien etwa nur auf Russland begrenzt. Als Geschäftsmann gilt für ihn hope is not a basis for longterm investment.“ „Ja, glaubst du dann, Garfield, sie kommen zum Konkreten?“ „Vielleicht machen sie einen Deal. Putins Bereich ist die ehemalige Sowjetunion. Staaten, die zur Nato oder EU gehören, sind sakrosankt.“ „Ich halte es für unwahrscheinlich, dass es in der Außenpolitik zu schnellen Deals kommt. Im Geschäftsleben machst du den schnellen Deal, in der Politik lassen sich die Spieler oft jahrelang hängen, es sind ja auch viel mehr Spieler beteiligt, und die Interessenlage ist unübersichtlicher. Das ist neu für Trump.“ „Neu wird für Trump auch die Redeweise sein. Im Geschäftsleben redest du nicht lange drum herum; what you see is what you get. In der Politik sagst du etwa, du willst keine Einmischung in interne Angelegenheiten, meinst aber, du willst ungestört sein bei der Aufteilung der Welt.“trump-und-putin

Ein Recht auf Unterhaltung in der Politik

„Was kannst du aus dem amerikanischen Wahlkampf lernen, Olivia?“ „Sag’s mir, Garfield.“ „Noch nie haben sich so viele Leute für die amerikanische Politik interessiert, in und ausserhalb Amerikas. Weil es Unterhaltung war. Show! Wenn du die Bürger noch erreichen willst, musst du deine Inhalte so darbieten, dass sie das Publikum unterhalten.“ „Du meinst Grab-their-pussy-Talk?“ „Ich meine nur, unser politisches System redet nur noch mit sich selbst. Nicht mehr zum eigentlichen Souverän, der wählenden Bevölkerung. Guck dir die grauen Gesichter in unserer Politik an. Mit der Afd sind die Gesichter gar noch grau und böse geworden. Guck in das Gesicht der Petry. Da fehlt, euphemistisch gesagt,  jeder Humor. Ich finde der Bürger und Wähler hat ein Recht, dass er die politischen Inhalte so dargeboten bekommt, dass sie ihn interessieren. Etwas ist für dich interessant, wenn du Hintergründe verstehst, wenn deine Gefühle berührt werden, wenn du etwas erkennst, wenn du lachen oder weinen musst, wenn du dich identifizierst. Dir wird etwas nahe gebracht, du bist gemeint. Das ist ein Recht auf Unterhaltung.“ garfieldtrump

Die Spaltung

„Garfield, du sagtest, Trump sei ein Geschäftsmann und deshalb würde es nicht so schlimm kommen, wie viele befürchten.“ „Ich kann nicht wissen, wie es kommt. Wenn du etwas nicht weißt, dann kannst du einfach mal durchspielen, was wäre der schlechteste Fall und was der beste, und dann gibt es noch die Fälle dazwischen.“ „Gestern habe ich im italienischen Fernsehen gehört, dass der Trumpsieg in der russischen Duma mit Champagner gefeiert worden sei. Der schlechteste Fall wäre für mich, Trump und Putin teilen sich die Welt auf. Ade Menschen- und Freiheitsrechte.“ „Bevor das passiert, wird er erschossen … Ich denke an einen schlechten Fall, der etwas wahrscheinlicher ist. Trump gibt Geld für Infrastrukturprojekte aus, das der amerikanische Staat nicht hat. Er muss die europäischen Verbündeten und die Verbündeten der NATO abzocken. Es wird ihm ähnlich wie Hitler ergehen. Der brachte mit riesigen Infrastrukturprojekten die Leute wieder in Arbeit, der Staat war aber in der Folge pleite, das Regime begann in die Nachbarländer einzufallen und die auszurauben, von den einverleibten jüdischen Vermögen ganz zu schweigen. Amerika gewährt Schutz nur noch gegen Bezahlung.“ „Hm, düster. Da muss ich an die Schutzgelderpressungen der Mafia denken.“ „Düster, ja. Aber wir spielen hier einfach mal alles durch.“ „Und was wäre für dich der beste Fall?“ „Trump überlässt die Politik erfahrenen Beratern und kümmert sich wie Berlusconi seinerzeit darum, sich im Amt zu bereichern.“ „Und das soll der beste Fall sein?“ „Ja, was siehst du als besten Fall?“napoleon-teilt-die-welt

Trump und der junge Napoléon

„Und was sagst du jetzt, Garfield?“ „Hm, ich war echt überrascht. Ich sah Clinton vorn.“ „Hast du Trumps Rede gehört?“ „Zuerst hat er Hillary gelobt. Das war genau richtig. Dann hat er die in den eigenen Reihen, die ihn „nicht unterstützt haben“ (netter Euphemismus) um Mithilfe gebeten. Perfekt. Es hat mich an den jungen Napoléon erinnert. Am Anfang seines Aufstiegs gelang es Napoléon Feinde zu Freunde zu machen, indem er ihnen verzieh und ihnen Posten übertrug. Am Anfang seiner Regentschaft war er beim Volk sehr beliebt: nicht nur, weil er als Feldherr so erfolgreich war. Unter dem Konsul und dann Kaiser Napoléon blühte das Land wirtschaftlich endlich wieder auf. In den Jahren nach dem Frieden von Tilsit befand sich Napoléon auf dem Höhepunkt seiner Macht. Gleichzeitig wurde er immer despotischer und expansiver. Der Russlandfeldzug wurde zum Desaster. Erst im Ersten Weltkrieg gab es noch höhere Opferzahlen. Seine Verbündeten gingen zur Gegenseite über.“ „Du meinst, Trump könnte derart abgleiten?“ „Eher nicht. Trump ist ein Geschäftsmann.“

trump-als-napoleon

 

Zu ehrgeizig?

„Garfield, was hast du?“ „Ich bin besorgt, dass Trump doch noch die Wahlen gewinnt.“ „Du siehst düster drein …“ „Trump fährt Amerika womöglich gegen die Wand. Seinen ersten Erfolg hat nicht er selbst gemacht, sondern zwei Frauen, eine, Barbara Res, hat den Bau des Trump Towers geleitet und die andere hat die Wohnungen gewinnbringend verkauft. Er muss sich den Erfolg selbst zugerechnet und geschlossen haben, alles gelänge ihm. Denn er traf im Anschluss quasi nur noch wilde Entscheidungen. Er kaufte eine Fluglinie, die marode war, er kaufte ein Kasino, das marode war usw. usw., nichts rechnete sich, die Banken drehten ihm den Kredithahn zu. Das einzige, das Trump noch hatte, war sein Name. Jahrelang war er in allen Klatschmedien mit seinem glamourösen Lebensstil, sein Name war zur Marke für Glamour geworden. Die Banken entschieden aus Eigennutz, ihn nicht ganz bankrott gehen zu lassen und Trump verkaufte fortan nur noch seinen Namen. Überall in der Welt schossen Trump Towers in die Höhe, die ihm nicht gehörten, für deren Namensgebung er aber kassierte. Seine Eigen-Show hatte ihn gerettet und fortan machte er nur noch Show. Du erinnerst dich sicher an seine Reality-TV-Show „The apprentice“. Was er kann, ist blind Geld ausgeben und eine Show veranstalten.“ „Reagan hatte auch nicht mehr drauf.“ „Aber Reagan hat nichts ohne seinen Stab entschieden. Er wusste, dass er nichts weiss. Bei Trump könnte das anders werden …“ „Und alles, weil der FBI-Chef Clintons Email-Affäre wieder aufrollt. Ausgerechnet kurz vor der Wahl.“ „Clinton ist immer schon ausgebremst worden. Sie ist begabt, fähig, hocherfahren nach so vielen Jahren im Staatsdienst, und sie ist ehrgeizig. Solche Frauen sind verhasst. Ein Mann darf ehrgeizig sein. Eine Frau aber scheinbar immer noch nicht …“

Ein komplexes Drama, das nachwirkt

Ich freue mich sehr über eine weitere Rezension des Romans meiner Mama!

„Ein komplexes Drama, das nachwirkt.“

„Die Autorin Rose Kleinknecht-Herrmann hat in ihrem 2016 erschienenen Buch „Frust, Revolte und Normalität – Die Leiden des Lehrers Wolfgang Fink“ mit präziser und pointierter Sprache ein leises und überaus komplexes Drama inszeniert. Eines das nachwirkt, weil die verschiedenen Akte uns in so vielem bekannt sind. Ganz egal, wo wir diesen Szenen beigewohnt haben – im Lehrerzimmer, in den Klassenräumen als Schüler oder als Eltern zuhause, im Warten auf die Kinder begriffen.“

Mehr

 

 

 

Nach den drei Präsidentschaftsdebatten

„Was denkst du nach den drei Debatten, Garfield?“ „Es ist schwer zu sagen, wer von beiden in welchen Punkten lügt, wenn du keine vollständigen Informationen hast. Nur eins ist sicher. Hillary und Donald sind nach den Debatten schmutzig.“ „Ich hoffe, du siehst überhaupt noch einen Unterschied zwischen den beiden?!“ „Sehe ich. Doch. Trump strebt Reichtum und Macht an. Hillary Macht und Reichtum.“ „Du bist hoffnungslos, Garfield.“ „Weshalb. Das ist ein Unterschied. Trump hofft in erster Linie seine Finanzen zu sanieren. Und die Macht kommt da zupass. Clinton ist in erster Linie die Macht wichtiger. Frauen in hohen Staatsämtern ist meistens die Macht das Wichtigste. Sieh dir die Merkel an. Der ist Geld sichtlich egal. Männer versuchen mit hohen Staatsämtern oft auch reich oder noch reicher zu werden. Denk etwa an Berlusconi und die Bushs. Die haben an der Staatsspitze Milliarden verdient. Bei nichtdemokratischen Regimen bereichern sich sowieso alle, quasi automatisch, denk an Putin, südamerikanische, afrikanische oder arabische Potentaten …“ „Und weshalb sollten Frauen die Macht bevorzugen?“ „Weil sie sich weniger erlauben dürfen. Sie sind immer noch die Ausnahme an der Macht. Ebensowenig durfte sich Obama bereichern. Diskriminierte tun sich schwerer.“ „Und wen würdest du jetzt wählen?“ „Am liebsten gar keinen.“ „Und wenn du wählen müsstest?“ „Trump sagte, er würde den Staat wie sein Unternehmen führen. Trump war schon einmal pleite. Wenn ein Staat pleitegeht, erholt er sich nicht so rasch, da verliert unter Umständen eine ganze Generation. Ich würde gegen den Strich womöglich den Stillstand wählen, fürchte ich.“garfield-gegen-den-strich

 

Der Friedensnobelpreis und der IS

Ein gruseliges Gespräch

„Der Friedensnobelpreis an den kolumbianischen Präsidenten Santos hat mich gefreut! Santos ist auf dem Weg, den ältesten und blutigsten bewaffneten Konflikt Amerikas zu beenden.“ „Nur ärgerlich, Garfield, dass eine haarknappe Mehrheit der Kolumbianer gegen den Friedensvertrag mit den Fuerzas Armadas Revolucionarias (Farc) gestimmt hat.“ „Manche Leute kapieren eben nicht, dass sie in vielen Fällen schlechter mit Rachsucht und Vergeltung fahren als damit, gegen den Strich etwas für den Frieden herzugeben.“ „Wie wär’s, Garfield, wenn die Länder, in denen der IS aktiv ist, mit dem IS Friedensabkommen schliessen würden? Den IS Leuten müsste dann Straffreiheit zugesichert werden und eine reibungslose Reintegration in die Gesellschaften, die sie bekämpfen.“ „Da sträuben sich mir die Haare, Olivia.“ „Mir auch. Der IS hat haarsträubende Verbrechen begangen. Auch schwer zu sagen, ob seine Leute zum jetzigen Zeitpunkt reintegrierbar wären.“ „Die Frage wäre auch, ob der IS so etwas überhaupt will. In Kolumbien haben die Konfliktparteien mustergültige Friedensverhandlungen geführt und gezeigt, dass es möglich ist, die Waffen ruhen zu lassen.“ „Die Farc hatte auch noch nachvollziehbare Ziele, eine Verbesserung des Lebens der unteren Schichten, der Kleinbauern etc. Beim IS finde ich es schwierig, sinnvolle Ziele anzugeben. Dieses verschwommene Kalifat. Einen Gottesstaat, der sich schwerlich mit dem gelehrten Islam verbinden lässt, höchstens mit den Kharijiten, einer frühislamischen, besonders blutrünstigen Sekte. Was haben die Menschen unter einer IS-Herrschaft zu gewinnen? Mehr Wohlstand? Nein. Mehr Mitbestimmungsrechte? Nein. Mehr Bildung? Nein. Mehr Gleichheit? Nein. Mehr Freiheit? Nein. Mehr Gewalt? Ja. Aber wer will mehr Gewalt? Wie verhandelst du mit Leuten, die verschwommene Ziele haben? Von denen du eigentlich nicht genau sagen kannst, wer sie überhaupt sind? Vielleicht kämpfen sie schlicht um des Kämpfens willen?“ „Also …: Gegründet 2003 vom kleinkriminellen Jordanier Abu Musab al-Zarkawi , unter dem Namen al-Tawhid wa al-Jihad («Monotheismus und Jihad»), kämpfen sie als Sunniten und Jihadisten gegen die Irak-Invasion der USA im Jahr 2003. Ihr Kampf richtet sich zum einen gegen die Koalitionsstreitkräfte, zum anderen gegen die Schiiten im Irak. Dabei schließen sich ihnen auch etliche Ex-Offiziere Saddam Husseins an, die sich während des Krieges stark radikalisiert haben. Von 2004 bis 2006 kämpfen sie unter dem Label al-Kaida im Irak (AQI) des Kaida-Chefs Usama bin Ladin. Ab 2011 weiten sich ihre Kämpfe und ihr Einfluss unter dem Namen Isis auf Syrien, später auf Libyen und andere nordafrikanische Staaten aus. Rekrutieren lassen sich Schiiten-Gegner, Leute, die keinen Platz mehr haben in den zerstörten Staatsstrukturen des Iraks und Syriens, die Verlierer der Staatsimplosionen, und auch sozial abgehängte und kulturell entfremdete Jugendliche aus dem Westen. Ich habe das Gefühl, du liegst nicht ganz falsch. Für mich sieht es ähnlich aus; die haben Mitglieder, die einfach aus Frust und Hass kämpfen wollen. Und mancher Abenteurer wird auch dabei sein.“ „Keine tollen Partner für Friedensverhandlungen. Dennoch … Vielleicht werden sie wie die Farc auch mal müde. Und dann kann man mit ihnen verhandeln. Eine gerechtere Gesellschaftsordnung haben sie nie angestrebt. Da genügt ihnen womöglich Straffreiheit und ein Neuanfang, vielleicht unter jeweils neuer Identität …?“ „Das hat jedenfalls den sogenannten Pentiti (ein Pentito ist ein Mafiamitglied, das plaudert) genügt, um aus der Mafia auszusteigen.“