Historischer Roman
faktenbasiert
„Im Schatten“ erzählt die Geschichte von Pfarrer Herrmann und seiner Familie, deren friedliches Leben auf der Schwäbischen Alb durch das NS-Regime zerstört wird. Als Herrmann mutig gegen die Machthaber predigt, gerät er ins Visier der Gestapo. Die Einschüchterung erreicht ihren Höhepunkt, als die Gestapo droht, seine begabte Tochter Rose wegen Kleinwüchsigkeit sterilisieren zu lassen. Einzig der zwielichtige Gestapo-Mann Hans Schwier schützt die Herrmanns – aus fragwürdigen Motiven.
Inhaltsangabe:
Pfarrer Herrmann und seine Frau betreuen eine kleine evangelische Kirchengemeinde auf der Schwäbischen Alb.
Als das NS-Regime an die Macht kommt, gerät Pfarrer Herrmann bald ins Visier der örtlichen NSDAP-Strukturen, weil er im Gottesdienst die Ausschreitungen gegen Juden und das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses verurteilt. Der Ortsgruppenleiter und die Gestapo setzen alles daran, ihn einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen. Trotz der Bedrohung spricht Herrmann sich weiterhin gegen das Regime aus, sowohl privat als auch im Gottesdienst, und tritt in die Bekennende Kirche ein, den evangelischen Widerstand.
Gertrud Herrmann, die Pfarrers Ehefrau, unterstützt ihren Mann bedingungslos. Die Beziehung zu ihrem einzigen Kind, Rose, ist kompliziert aufgrund einer schweren Zangengeburt, an der sie fast gestorben wäre.
Rose, die begabte und sehr selbständige Tochter der Herrmanns, besucht das Gymnasium in der Stadt Tübingen. Sie ist zum ersten Mal von zu Hause fort, vermisst vor allem ihren Vater, ihr Idol.
Während Pfarrer Herrmann unter der Trennung von seiner Tochter leidet, bedrückt Gertud Roses Abwesenheit nicht sonderlich.
Die Schikanen gegen Pfarrer Herrmann nehmen zu: Er darf keinen Religionsunterricht mehr geben, in der Kirche sitzen Spitzel, manche Dorfbewohner feinden ihn offen an. Er wird wiederholt von der Gestapo verhört und zu unzähligen medizinischen Untersuchungen verpflichtet, muss, obwohl er kerngesund ist, dauernd seine Lunge röntgen lassen.
Die Gestapo verhört ihn in der Stuttgarter Leitstelle, dem Hotel Silber, lässt ihn aber immer wieder frei. Gerettet hat ihn jeweils nicht, wie er glaubt, Landesbischof Wurm, sondern der Gestapo Mann Hans Schwier, ein junger Mann aus dem Dorf.
Pfarrer Herrmann und seine Frau sind entsetzt, als sie entdecken, dass Hans Schwier sich für die bildhübsche, aufgeweckte Rose interessiert.
Dann rettet Schwier aber Rose vor der angedrohten Zwangssterilisierung wegen ihrer kleinen Größe, ein weiterer Hieb gegen Pfarrer Herrmann, man trifft ihn an der empfindlichsten Stelle, will seiner geliebten Tochter schaden.
Pfarrer Herrmann sieht in Schwier dennoch weiterhin eine große Gefahr für sein Kind. Entgegen den Befürchtungen der Herrmanns tastet Schwier die noch minderjährige Rose aber nicht an, als die sich auf eine heimliche Beziehung mit ihm einlässt.
Schwiers Gestapotätigkeit ist Rose zwar verhasst, sie macht aber gute Miene zum bösen Spiel, weil Schwier ihren geliebten Vater schützt. Die Rettungsaktionen müssen allerdings geheim bleiben.
Rose versucht beständig, auch auf Drängen Schwiers, ihren Vater davon abzuhalten, das Regime offen zu kritisieren. Pfarrer Herrmann ringt mit sich selbst; einerseits ist er überzeugt davon, dass man gegen das NS-Regime unbedingt aufbegehren muss, andererseits ist ihm bewusst, dass er damit nicht nur sich selbst, sondern auch seine Familie gefährdet. Es fällt ihm schwer, seinen Oppositionsgeist zu zügeln.
Im Dorf wird Pfarrer Herrmann nun auch körperlich angegriffen und schwer verletzt, seine Situation wird unhaltbar. Landesbischof Wurm nimmt ihn schließlich aus der Schusslinie und versetzt ihn in die Kleinstadt Metterzimmern, in die Nähe von Stuttgart.
Die Herrmanns sind erleichtert. Just da erkrankt Rose schwer an Mittelohrentzündung, stirbt beinahe. Eine weitere Herausforderung ist zu meistern. Gertrud bekommt aus Sorge weiße Flecken im Gesicht, eine Pigmentstörung. In der Folge entsteht ein engeres Band zwischen den beiden.
In Metterzimmern erwartet die Herrmanns kein warmer Empfang. Als sie das Pfarrhaus beziehen, dringt dort die Polizei ein und durchsucht es, um auch hier die Autorität des Pfarrers zu untergraben.
Die Herrmanns sehnen das Kriegsende herbei. Sie leben in den letzten Kriegsjahren in der ständigen Angst, abgeholt zu werden. Schwier ist inzwischen an der Front verschollen. Sie sind schutzlos.
Als die französischen Truppen in Metterzimmern einmarschieren, atmen sie auf und Rose nimmt den Schutz ihrer Familie nun alleine in die Hand. Sie spricht ausgezeichnet Französisch und im Ort findet sich eine Todesliste, auf der die Herrmanns stehen. Die Franzosen anerkennen Pfarrer Herrmann als Gegner und erklären das Pfarrhaus off limits. Pfarrer Herrmann möchte von den Besatzern aber nicht als kommissarischer Bürgermeister eingesetzt werden, es geht ihm gesundheitlich nicht gut.
Der Plot gipfelt in einem dramatischen Konflikt, als Pfarrer Herrmann 1946 vor eine Spruchkammer gestellt und fälschlich als Mitläufer angeklagt wird.
Dass die Zeugenaussage vom wieder aufgetauchten Schwier Pfarrer Herrmann mit entlastet, macht es für ihn nicht viel besser.
Der Roman endet mit Pfarrer Herrmanns Leukämieerkrankung. Obwohl er vom Leben enttäuscht ist, macht er am Ende seinen Frieden. Er hat alles gehabt, was er sich sehnlichst wünschte: seine Gertrud – er hatte nie für möglich gehalten, so eine stupende Frau heiraten zu dürfen, Rose, eine Tochter, die er innig liebt und bewundert, die auch ihn liebt, und seine Bibliothek.
Für Rose und ihre Mutter bricht nach Pfarrer Herrmanns Tod eine Welt zusammen.
Aber sie fangen sich. Rose geht im Lehrberuf auf und heiratet einen Kollegen. Gertrud wohnt bei Rose und kümmert sich liebevoll um Roses kleine Tochter Natascha, ihre Enkelin, holt die Liebe nach, die sie Rose in ihrer Kindheit vorenthalten hatte.
Thema:
„Im Schatten des Widerstands“ erzählt eine Geschichte über Zivilcourage und familiären Zusammenhalt. Im Mittelpunkt steht Pfarrer Herrmanns Widerstand gegen das NS-Regime, den seine Frau und seine Tochter mit ermöglicht haben. Dabei bewältigen die drei nicht nur die düstere Zeit, sondern auch noch etliche persönliche Probleme.
Auch Leute wie Pfarrer Herrmann, Gegner im Kleinen, riskierten ihr Leben im Dritten Reich. Auch sie verdienen Erwähnung. Hätte es viel mehr solche Leute wie die Herrmanns gegeben, wären Hitler und der Holocaust wohl nicht möglich gewesen.
Hauptfiguren
Pfarrer Adolf Herrmann:
Wissensdurstig, aus bescheidenen Verhältnissen, die sich über viele Generationen hinweg keine Bildung erlauben konnten. Hätte eine Unikarriere machen können. War nicht ehrgeizig. Im Zentrum steht das Hobby Wissenserwerb. Schon im Jahr 1933 stellt er sich unbeirrbar gegen das NS-Regime. Stirbt an Leukämie bald nach dem Krieg. Seine Familie hegt den Verdacht, dass sie ihn als Gegner verstrahlt haben.
Pfarrer Herrmanns Frau Gertrud:
Ihr Verlobter ist im Ersten Weltkrieg abgestürzt. Adolf ist zweite Wahl. Das Leben als Pfarrfrau auf der rauen Schwäbischen Alb ist anfangs für die Städterin schwer zu verkraften. Es gibt keine glanzvollen gesellschaftlichen Anlässe, keine Bälle, dafür körperliche Arbeit, vom Obst- und Gemüseanbau bis zum Ausmisten des Hühnerstalls. Sie hält dennoch treu zu ihrem Mann, achtet ihn und seine politische Überzeugung, will aber nach der schweren Geburt ihrer Tochter Rose keinen Körperkontakt mehr. Nach dieser Geburt, die sie beinahe nicht überlebt, fällt es Gertrud schwer, Rose als Tochter anzunehmen. Das ändert sich, als Rose schwer erkrankt.
Die einzige Tochter Rose:
Sie verehrt den Vater, ist hochbegabt, sehr früh selbständig. Zur Mutter hat sie ein gespaltenes Verhältnis. Um ihren Vater zu schützen, lässt sie sich auf den Gestapo Mann Hans Schwier ein, macht gute Miene zum bösen Spiel. Als Schwier im Krieg als vermisst gemeldet wird, entfällt der Schutz. Als die Franzosen einmarschieren, nimmt Rose das Schicksal ihrer Familie selbst in die Hand.
Hans Schwier:
Er ist bei der Gestapo und der SS und mit seinen 22 Jahren an der viel jüngeren Rose interessiert. Schwier ist eine paradoxe Figur, er ist nicht der übliche Pädophile, wie Roses Eltern befürchten, er rührt Rose nicht an, gibt sich ganz in ihre Hand, beschützt sie, gleichzeitig foltert er vermeintliche Regimegegner und presst ihnen Geständnisse ab. Schwier verkörpert das irrationale Credo des Regimes: dass man Verbrechen begehen und gleichzeitig anständig bleiben kann.[1]. Nach Kriegsende taucht er wieder auf, verkrüppelt, und gehört zur amerikanischen Besatzungsmacht.
[1] In einer Rede vor SS-Führern in Posen am 4. Oktober 1943 sagte Himmler: „Von euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beieinander liegen, wenn 500, wenn 1000 Leichen beieinander liegen. Dies durchgehalten zu haben und – bis auf menschliche Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Das ist ein nie geschriebenes und nie zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte.“
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