Der Friedensnobelpreis und der IS

Ein gruseliges Gespräch

„Der Friedensnobelpreis an den kolumbianischen Präsidenten Santos hat mich gefreut! Santos ist auf dem Weg, den ältesten und blutigsten bewaffneten Konflikt Amerikas zu beenden.“ „Nur ärgerlich, Garfield, dass eine haarknappe Mehrheit der Kolumbianer gegen den Friedensvertrag mit den Fuerzas Armadas Revolucionarias (Farc) gestimmt hat.“ „Manche Leute kapieren eben nicht, dass sie in vielen Fällen schlechter mit Rachsucht und Vergeltung fahren als damit, gegen den Strich etwas für den Frieden herzugeben.“ „Wie wär’s, Garfield, wenn die Länder, in denen der IS aktiv ist, mit dem IS Friedensabkommen schliessen würden? Den IS Leuten müsste dann Straffreiheit zugesichert werden und eine reibungslose Reintegration in die Gesellschaften, die sie bekämpfen.“ „Da sträuben sich mir die Haare, Olivia.“ „Mir auch. Der IS hat haarsträubende Verbrechen begangen. Auch schwer zu sagen, ob seine Leute zum jetzigen Zeitpunkt reintegrierbar wären.“ „Die Frage wäre auch, ob der IS so etwas überhaupt will. In Kolumbien haben die Konfliktparteien mustergültige Friedensverhandlungen geführt und gezeigt, dass es möglich ist, die Waffen ruhen zu lassen.“ „Die Farc hatte auch noch nachvollziehbare Ziele, eine Verbesserung des Lebens der unteren Schichten, der Kleinbauern etc. Beim IS finde ich es schwierig, sinnvolle Ziele anzugeben. Dieses verschwommene Kalifat. Einen Gottesstaat, der sich schwerlich mit dem gelehrten Islam verbinden lässt, höchstens mit den Kharijiten, einer frühislamischen, besonders blutrünstigen Sekte. Was haben die Menschen unter einer IS-Herrschaft zu gewinnen? Mehr Wohlstand? Nein. Mehr Mitbestimmungsrechte? Nein. Mehr Bildung? Nein. Mehr Gleichheit? Nein. Mehr Freiheit? Nein. Mehr Gewalt? Ja. Aber wer will mehr Gewalt? Wie verhandelst du mit Leuten, die verschwommene Ziele haben? Von denen du eigentlich nicht genau sagen kannst, wer sie überhaupt sind? Vielleicht kämpfen sie schlicht um des Kämpfens willen?“ „Also …: Gegründet 2003 vom kleinkriminellen Jordanier Abu Musab al-Zarkawi , unter dem Namen al-Tawhid wa al-Jihad («Monotheismus und Jihad»), kämpfen sie als Sunniten und Jihadisten gegen die Irak-Invasion der USA im Jahr 2003. Ihr Kampf richtet sich zum einen gegen die Koalitionsstreitkräfte, zum anderen gegen die Schiiten im Irak. Dabei schließen sich ihnen auch etliche Ex-Offiziere Saddam Husseins an, die sich während des Krieges stark radikalisiert haben. Von 2004 bis 2006 kämpfen sie unter dem Label al-Kaida im Irak (AQI) des Kaida-Chefs Usama bin Ladin. Ab 2011 weiten sich ihre Kämpfe und ihr Einfluss unter dem Namen Isis auf Syrien, später auf Libyen und andere nordafrikanische Staaten aus. Rekrutieren lassen sich Schiiten-Gegner, Leute, die keinen Platz mehr haben in den zerstörten Staatsstrukturen des Iraks und Syriens, die Verlierer der Staatsimplosionen, und auch sozial abgehängte und kulturell entfremdete Jugendliche aus dem Westen. Ich habe das Gefühl, du liegst nicht ganz falsch. Für mich sieht es ähnlich aus; die haben Mitglieder, die einfach aus Frust und Hass kämpfen wollen. Und mancher Abenteurer wird auch dabei sein.“ „Keine tollen Partner für Friedensverhandlungen. Dennoch … Vielleicht werden sie wie die Farc auch mal müde. Und dann kann man mit ihnen verhandeln. Eine gerechtere Gesellschaftsordnung haben sie nie angestrebt. Da genügt ihnen womöglich Straffreiheit und ein Neuanfang, vielleicht unter jeweils neuer Identität …?“ „Das hat jedenfalls den sogenannten Pentiti (ein Pentito ist ein Mafiamitglied, das plaudert) genügt, um aus der Mafia auszusteigen.“

 

 

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